40 Jahre nach der Katastophe bleibt die Gegend verseucht. Foto: Shutterstock / Sussa Mgt

40 Jahre Tschernobyl

6. Mai 2026
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Der Atom-Unfall, der Europa veränderte

Der Name Tschernobyl steht heute noch für eine Katastrophe: einen Unfall in einem Atomreaktor. Viele Menschen starben. Ganz Europa hatte Angst vor der radioaktiven Wolke. Vierzig Jahre ist das her.

Ein Atomkraftwerk in der Ukraine

Tschernobyl liegt im Norden der Ukraine. Als der Unfall im Kernkraftwerk geschah, gehörte die Ukraine noch zur Sowjetunion. Das war ein sehr großes Land, zu dem auch das heutige Russland gehörte.

Was geschah vor 40 Jahren?

In der Nacht vom 25. auf den 26. April lief im Reaktor 4 ein Test. Ein Reaktor ist der Teil des Atomkraftwerks, in dem Wärme entsteht. Die Beschäftigten wollten prüfen, was bei einem Stromausfall passiert. Denn ein Atomkraftwerk produziert nicht nur Strom, es braucht auch Strom. Ohne Strom von außen könnte man den Reaktor nicht kühlen. Beim Test gingen mehrere Dinge schief. Der Reaktor funktionierte nicht mehr richtig. Zuerst produzierte er zu wenig Wärme, danach auf einmal viel zu viel. Auch wie der Reaktor gebaut war, führte zu Problemen.

Es kam zu Explosionen. Das Dach des Reaktors wurde zerstört. Ein Feuer brach aus. Radioaktive Stoffe gelangten in die Luft. Das war der Beginn der Katastrophe.

Hier passierte 1986 der Super-GAU. Foto: Shutterstock / Roberts Vicups

Das Symbol für Radioaktivität

Dieses Symbol wurde 1946 an der University of California in Berkeley entworfen. Es ist ein Warnzeichen. Wenn du dieses Zeichen siehst, heißt das: Aufgepasst, hier können radioaktive Strahlen vorkommen. Das heißt aber nicht automatisch, dass du in Lebensgefahr bist.

Radioaktivität ist gefährlich

Radioaktivität schädigt den Körper. Das Schwierige daran ist: Radioaktivität kannst du nicht sehen, riechen oder schmecken. Man braucht Messgeräte, um Radioaktivität zu erkennen. Der Wind trug radioaktive Teilchen über viele Länder. 

Regen brachte sie auf Wiesen, Felder und Wälder. Ein großes Problem war das Gras auf den Wiesen. Die Kühe fraßen dieses Gras. So kamen radioaktive Stoffe in die Milch. Viele Menschen, die diese Milch tranken, erkrankten nach einiger Zeit an Krebs.

Was ist ein AKW?  

Ein AKW ist ein Atomkraftwerk. Dort wird Strom erzeugt. Das funktioniert so: Im Kraftwerk werden winzige Atomkerne gespalten. Dabei entsteht Wärme. Diese Wärme kocht Wasser zu Dampf. Der Dampf treibt eine Turbine an. Die Turbine dreht einen Generator. So entsteht Strom. 

Viele Menschen mussten ihre Heimat verlassen

In der Nähe des Atomkraftwerks von Tschernobyl liegt die Stadt Prypjat. Dort lebten zum Zeitpunkt des Unfalls viele Familien. Viele Erwachsene arbeiteten im oder für das Kraftwerk. Die Stadt galt damals als modern. Es gab Schulen, Wohnungen, Geschäfte und Spielplätze. Nach dem GAU – dem „größten anzunehmenden Unfall“ – wurde Prypjat zur Geisterstadt.

Nach dem Unfall mussten zuerst etwa 116.000 Menschen die Zone um das Kraftwerk verlassen. Später kamen weitere Menschen dazu. Insgesamt verloren mehr als 350.000 Menschen ihr Zuhause.

Auch Prypjat wurde geräumt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner dachten zuerst, sie würden bald zurückkehren. Doch die meisten durften nie wieder dort wohnen.

Heute ist Prypjat eine Geisterstadt. Foto: Shutterstock / chager

Die genaue Zahl der Opfer weiß man nicht. Zwei Menschen starben direkt bei der Explosion. 28 Beschäftigte und Einsatzkräfte starben in den ersten Monaten an der Strahlung. Später kamen weitere Erkrankungen dazu. Es gab besonders viele Fälle von Schilddrüsenkrebs. Die Zahl lässt sich nur schätzen, weil viele Menschen erst mit der Zeit krank wurden. Vermutlich starben tausende Personen wegen des GAUs.

Die Stadt Prypjat ist bis heute Sperrzone. Im Hintergrund siehst du das AKW Tschernobyl. Foto: Shutterstock / virtualexploring

Die Angst im Westen

Auch in ziemlich weit entfernten Ländern waren die Menschen verunsichert. Die radioaktive Wolke zog über Grenzen hinweg. Viele Familien fragten sich, ob Kinder draußen spielen dürften, auch in Luxemburg. Die Menschen fragten sich: Kann man die Milch noch trinken? Sind Gemüse, Fleisch und Pilze ungefährlich?

Diese Sorge war nicht übertrieben. In manchen Gegenden wurden Milch, Gemüse, Fleisch oder Pilze tatsächlich stärker belastet. Das hing davon ab, wohin der Wind die radioaktiven Stoffe trug und wo es regnete. In manchen Fällen wurde verboten, bestimmte Produkte zu verkaufen.

Ein Sarg für den Reaktor

Nach dem Unfall wurde der zerstörte Reaktor 4 mit einer Schutzhülle bedeckt. Diese Hülle wird auch „Sarkophag“ genannt. Das ist ein anderes Wort für: Sarg. Gemeint war also: Der Reaktor sollte fest verpackt werden, und zwar für immer. Später kam sogar noch eine große Hülle aus Stahl dazu. Sie soll verhindern, dass radioaktiver Staub nach außen gelangt.

Im Februar 2025 wurde die Stahlhülle bei einem Drohnenangriff beschädigt. Die Strahlenwerte blieben normal. Trotzdem muss die Hülle repariert werden. Nur so kann sie den zerstörten Reaktor weiter sicher einschließen.

Das AKW Cattenom

Auch Luxemburg blickt bis heute aufmerksam auf Atomkraft. Der Grund heißt Cattenom. Dieses Atomkraftwerk liegt in Frankreich. Es steht nahe an der luxemburgischen Grenze, ungefähr neun Kilometer südlich der Grenze und etwa 25 Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt.

Seit 1986 ein gewohnter Anblick: die Kühltürme von Cattenom. Foto: Shutterstock / Alexandre Prevot

Bei einem schweren Unfall müsste Luxemburg schnell reagieren. Es gibt Pläne für den Notfall: Falls ein GAU passiert, werden die Menschen aufgefordert, in Gebäuden Schutz zu suchen. Es gibt auch spezielle Jodtabletten. Diese Tabletten schützen die Schilddrüse vor radioaktivem Jod damit man keinen Krebs bekommt.

Einmal im Monat hörst du eine laute Sirene. Sie ertönt am ersten Montag des Monats um genau zwölf Uhr mittags. Das ist ein Test. Wenn du diese Sirene zu einer anderen Zeit hören solltest, gab es einen atomaren Unfall.

Proteste in Luxemburg

Viele Menschen sagen: Strom aus Atomkraft ist zwar billig, aber die Kraftwerke sind zu gefährlich. In Luxemburg gab es schon in den 1970er-Jahren Proteste gegen Atomkraft. Es sollte ein Atomkraftwerk bei Remerschen an der Mosel entstehen. Viele Bürgerinnen und Bürger waren dagegen. Sie sorgten sich um Sicherheit, Gesundheit und Natur. Luxemburg gab das Projekt auf.

Auch gegen Cattenom protestierten viele Menschen. Der Protest kam aus Luxemburg, Frankreich und Deutschland. Viele Menschen wollten kein Atomkraftwerk so nah an ihren Wohnorten. Cattenom wurde trotzdem gebaut. Bis heute gibt es Kritik.

In den 1980-er Jahren gab es Proteste gegen das AKW Cattenom. Foto: Screenshot INA
Ohne Strom läuft nichts. Foto: Shutterstock / tanitost

Warum nutzen Länder noch Atomkraft?

Ein Atomkraftwerk erzeugt viel Strom. Es braucht kein besonderes Wetter wie zum Beispiel Windräder. Beim Betrieb entsteht wenig Kohlendioxid. Dieses Gas ist schlecht für das Klima. Deshalb sehen manche Fachleute Atomkraft als Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel.

Die Atomkraft hat aber auch Nachteile: 

  • Es kann ein GAU passieren. 
  • Radioaktiver Abfall bleibt tausende von Jahren lang problematisch. 
  • Neue Atomkraftwerke sind teuer und ihr Bau dauert lange.

Manche Länder sind trotzdem weiter für Strom aus Atomkraft, zum Beispiel Frankreich. Andere Länder wollen ohne Atomkraft auskommen, zum Beispiel Deutschland.

Geht es ohne Atomstrom?

Man kann Strom auch anders produzieren als mit Atomkraft. Solarzellen erzeugen Strom aus Sonnenlicht. Windräder nutzen den Wind, Wasserkraftwerke nutzen die Bewegung von Wasser. Manche Anlagen machen Strom aus Erdwärme. 

Diese Quellen heißen erneuerbare Energien. Sie belasten das Klima weniger als Kohle, Öl oder Gas. Sie haben aber auch Grenzen. Die Sonne scheint nicht immer. Manchmal weht kein Wind. Wenn man erneuerbare Energien einsetzen will, braucht man Speicher, gute Leitungen und ein kluges Stromnetz. 

Heute verbrauchen Menschen mehr Strom als früher. Gleichzeitig soll Energie sicher und möglichst sauber sein. Die Frage bleibt: Wie kann man genug Strom erzeugen, ohne Menschen, Tiere und Natur zu gefährden?

Warum braucht die Welt so viel Strom? 

Fabriken, Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen, Rechenzentren … alle Gebäude brauchen Strom. Züge, Computer und Handys brauchen Strom. Immer mehr Autos fahren elektrisch. 

Auch dein Alltag hängt stark vom Strom ab. Denk an das Licht in deinem Zimmer, den Kühlschrank, dein Tablet oder das WLAN! Auch ein Video im Internet braucht Strom, weil Daten durch Leitungen und Rechenzentren laufen.