Bongert, Bounen a Bonjour
23. September 2025So klingt Luxemburgisch!

Am 26. September ist in ganz Europa der Tag der Sprachen. In Luxemburg steht an diesem Tag die luxemburgische Sprache im Mittelpunkt.
Luxemburg ist bekannt für seine Mehrsprachigkeit. Wer in Luxemburg zur Schule gegangen ist, spricht mindestens Luxemburgisch, Deutsch, Französisch und Englisch — und meistens noch einige andere Sprachen, zum Beispiel Portugiesisch, Spanisch oder Italienisch.
Nicht jeder spricht zu Hause die selben Sprachen wie auf dem Pausenhof, im Unterricht oder bei der Arbeit. Damit sich alle Menschen in Luxemburg trauen, Luxemburgisch zu lernen und zu sprechen, dreht sich dieses Jahr der Tag der Sprachen um das Lëtzebuergesch. Eine Sprache zu sprechen, die man nicht perfekt beherrscht, kann ziemlich schwer sein! Sowohl beim Sprechen als auch beim Zuhören ist deshalb Geduld gefragt. Der Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch soll helfen, dass die Menschen einander besser verstehen — egal, woher sie kommen.
Wie viele Menschen sprechen Luxemburgisch als Erstsprache?
Das Luxemburgische ist die erste Sprache von vielen Menschen in Luxemburg. 2021 gaben rund 275.000 Personen Luxemburgisch als ihre Erstsprache (oder „Muttersprache“) an. Das sind 10.000 Menschen mehr als zehn Jahre zuvor. Luxemburgisch ist also nicht vom Aussterben bedroht, wie manche Leute behaupten.
Trotzdem ist das Luxemburgische im Sprachgebrauch von 55 auf 48 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet: Es sprechen zwar mehr Menschen Luxemburgisch als früher, aber es leben jetzt auch mehr Menschen in Luxemburg. Der Anteil von denen, die im Alltag Luxemburgisch sprechen, ist kleiner geworden. Das Englische und Französische hingegen haben als Sprache des täglichen Lebens zugenommen.
Es gibt natürlich nicht nur in Luxemburg Menschen, die Luxemburgisch sprechen. Zählt man alle auf der Welt zusammen, kommt man auf ungefähr 400.000 Erstsprachler. Verglichen mit anderen europäischen Sprachen, wie Deutsch oder Italienisch, sind das nicht sehr viele.
In Luxemburg ist Luxemburgisch eine Amtssprache. Es ist sogar mehr als das: In der Verfassung ist es als Sprache der Luxemburger und Luxemburgerinnen festgehalten. Zusammen mit dem Deutschen und dem Französischen ist Luxemburgisch eine der drei Verwaltungssprachen.
Eine Verfassung ist ein Text, in dem steht, wie ein Staat funktioniert und welche Rechte und Pflichten alle Menschen dort haben. Alle Gesetze in diesem Staat müssen sich an die Verfassung halten.
Das heißt, dass du einer Verwaltung auf Luxemburgisch einen Brief oder eine E-Mail schreiben kannst. Die Antwort erhältst du dann auch auf Luxemburgisch.
Die Weltsprache Englisch wird von zwei Milliarden Menschen gesprochen, also 5000-mal mehr als bei Luxemburgisch. Die Europäische Union rechnet Luxemburgisch zu den Minderheitssprachen, da es keine offizielle Amtssprache der EU ist. Weitere Minderheitssprachen sind zum Beispiel das Katalanische (Katalonien = eine Region in Spanien) und das Elsässische (Elsass = eine Region in Frankreich).

Grafik erstellt mit ChatGPT
Nicht nur Sprechen, auch Schreiben ist wichtig!
Eine Sprache lernt man nur richtig, wenn man sie nicht nur spricht, sondern auch liest und schreibt. Geschriebenes Luxemburgisch kommt an vielen Orten vor, auf Schildern und in Zeitungen zum Beispiel. Wichtige Mitteilungen vom Staat werden auch auf Luxemburgisch verschickt. Und natürlich gibt es Bücher auf Luxemburgisch.
Wer Luxemburgisch lernen will, kann einen Sprachkurs besuchen. An der Universität in Esch-Belval kann man Luxemburgisch sogar studieren! Für eine kleine Sprache wie Luxemburgisch ist das besonders wichtig. Denn nur wenn eine Sprache gesprochen und geschrieben wird, kann sie weiterleben.
An einzelnen ausländischen Universitäten kann man einen Sprachkurs im Luxemburgischen belegen. Im englischen Sheffield gibt es ein Luxemburgisches Institut.
Die meisten Sprachen und Dialekte auf der Welt werden nur gesprochen, aber nicht geschrieben. In Mexiko gibt es über 100 Sprachen und Dialekte der indigenen Bevölkerung, die keine Schrift haben. In Indien sind es sogar über 1000. Eine Studie des MIT (Massachussetts Institute of Technology) schätzt, dass etwa 3000 Sprachen weltweit vom Aussterben bedroht sind. Warum? Weil sie kaum bis gar nicht gesprochen werden.
Seit wann gibt es Luxemburgisch?
Luxemburgisch gibt es in seiner heutigen Form seit einigen Jahrhunderten, aber seine Wurzeln reichen weit zurück: bis ins 5. Jahrhundert. Luxemburgisch ist also über 1500 Jahre alt!
Damals sprachen die Franken eine germanische Sprache, aus der sich in der Region des heutigen Luxemburg das Moselfränkische entwickelte. Aus diesem Moselfränkisch entstand über die Jahrhunderte das heutige Luxemburgisch. Luxemburgisch ist heute eine eigenständige westgermanische Sprache.

Französische Einflüsse im Luxemburgischen: Woher kommen Wörter wie Bijou, Poulet oder Trottoir?
Die luxemburgische Sprache hat viele französische Wörter übernommen. Das liegt an der geografischen Lage Luxemburgs und an seiner Geschichte. Die Region, in der heute Luxemburg liegt, befindet sich an der Schnittstelle zwischen romanischem und germanischem Sprachraum. Da Französisch eine romanische Sprache ist, hatte es früh Einfluss auf das Moselfränkische, aus dem später Luxemburgisch entstand.
Beispiele für französische Wörter im Luxemburgischen sind:
- Bijou, Poulet, Trottoir
Sie kommen im Luxemburgischen vor, werden aber anders betont.
- Forschett (von fourchette), Suen (von sous), picken (von piquer)
Sie klingen anders, zeigen aber klar ihre französische Herkunft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Wörter aus anderen Sprachen dazu, zum Beispiel aus dem Englischen oder Französischen:
- Printer (aus dem Englischen)
- Grande surface (französisch für „Supermarkt“ oder „Einkaufszentrum“)
Luxemburgisch ist also nicht nur eine westgermanische Sprache, sondern auch reich an Einflüssen.
Eine Expertin des Luxemburgischen: Caroline Döhmer

Foto: Privat
Caroline Döhmer ist Professorin für Luxemburger Grammatik und Orthografie an der Universität Luxemburg.
Sie bildet Menschen aus, die später auch anderen Luxemburgisch beibringen wollen. Luxemburgisch wird bisher in den öffentlichen Schulen weniger als Deutsch, Französisch oder Englisch gelehrt. An der Uni in Luxemburg gibt es einen Bereich der Luxemburgistik. Luxemburgisch kann man also in Luxemburg studieren.
Neben ihrer Arbeit als Professorin forscht Caroline auch zur luxemburgischen Sprache. Sie beobachtet, wie Menschen das Luxemburgische nutzen. In ihren Radiosendungen erklärt sie die Eigenschaften des Luxemburgischen so, dass jeder sie gut verstehen kann.
Neugier als Motor
Caroline, deine Erstsprache ist Luxemburgisch. Wie bist du dazu gekommen, dich beruflich und privat so viel mit dieser Sprache zu beschäftigten?
CD: Ech hunn eigentlech Germanistik studéiert, also Däitsch, an du war fir mech d’Iddi ëmmer: „ A, mee wéi ass dat am Lëtzebuergeschen?” Wann ech eng Reegel am Däitsche geléiert hunn, goung et a mengem Kapp direkt: „Wéi ass déi Reegel am Lëtzebuergeschen? A wou kann ech dat noliesen?” An da war ech immens virwëtzeg! Et gouf awer guer net esou vill nozeliesen, an ech hat esou vill Froen. Herno hunn ech ugefaangen, mer déi Froen ëmmer méi selwer ze beäntwerten, ëmmer méi ze fuerschen, ëmmer méi wëllen ze erklären. Am Lëtzebuergeschen gëtt et sou vill erauszefannen. Et ass esou eng lieweg Sprooch!
Du kannst Luxemburgisch natürlich ohne Fehler schreiben. Ist es für dich schlimm, wenn du das Luxemburgisch von anderen liest und dort Fehler entdeckst?
CD: Wann aner Leit mir Feeler schreiwen, dann hunn ech iwwerhaapt kee Problem domat. Heiansdo fannen ech et souguer ganz interessant, wann ech mierken, wou de Feeler hierkënnt. Ech mengen, mäi Beruff wier och ganz schwéier, wann ech Problemer domat hätt, wann d’Leit anescht schreiwen oder anescht schwätze wéi ech, well et ass jo am Fong de Virwëtz, firwat d’Leit esou oder esou schwätzen, dee mech undreift.
Caroline, was sind Gründe, Luxemburgisch zu lernen?
CD: Sprooch verbënnt. Ech mengen, wann een zu Lëtzebuerg lieft an och zu Lëtzebuerg en Hobby huet oder sech gären engem Grupp uschléisst, dann ass Lëtzebuergesch eppes, wat immens vill Virdeeler huet. Fir mech ass Lëtzebuergesch schonn ëmmer an och haut nach eng SchoulhaffSprooch. Well ech héiere ganz oft Leit vu verschiddenen Natiounen, awer am Schoulhaff héiert een d’Kanner, déi op Lëtzebuergesch beienee kommen, an dann denken ech mer, jo, d‘Lëtzebuerger Sprooch verbënnt iergendwéi.
Lëtzebuergesch verbënnt
Luxemburgisch ist mehr als nur eine Sprache. In einem Land mit über 180 Nationalitäten kann sie ein gemeinsamer Nenner sein. Sie kann dabei helfen, dass sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen miteinander verständigen und Teil der Gemeinschaft werden.
Im Alltag greifen viele Luxemburgerinnen und Luxemburger oft auf Deutsch, Englisch oder Französisch zurück, besonders wenn sie merken, dass jemand noch nicht so gut Luxemburgisch spricht. Das ist nett gemeint, kann aber für Menschen, die Luxemburgisch lernen und die Aussprache üben wollen, eine Hürde sein. Wenn jemand versucht, Luxemburgisch mit dir zu sprechen, ist es am besten, du hörst geduldig zu. Wenn du nicht sicher bist, kannst du die Person auch fragen, ob sie lieber Luxemburgisch oder eine andere Sprache mit dir sprechen will.
Luxemburgisch inmitten vieler anderer Sprachen
Wie gesagt: Luxemburg ist ein mehrsprachiges Land. Im Alltag hörst und gebrauchst du viele verschiedene Sprachen. Dabei spricht nicht jede Person nur jeweils eine Sprache. In Luxemburg ist es normal, dass eine Person im Alltag zwischen verschiedenen Sprachen hin und her wechselt. Dieses Phänomen nennt man Code-Switching: Man springt je nach Situation oder Gesprächspartner von einer Sprache in die andere.
In der Schule lernen Kinder und Jugendliche zuerst Deutsch und Französisch, später oft auch Englisch oder Latein — manchmal sogar noch weitere Sprachen. Kinder und Jugendliche, die mit ihrer Familie nach Luxemburg kommen, lernen Luxemburgisch in der Schule. So haben später alle eine Chance, sich auf Luxemburgisch verständigen zu können.
Institutionen zur Förderung der Luxemburger Sprache
Was kann der Staat tun, damit es der luxemburgischen Sprache gutgeht? Die Sprache wird jedenfalls nicht dem Zufall überlassen. Um das Lëtzebuergesch zu fördern, wurden in den letzten Jahren einige Initiativen ins Leben gerufen:
- Das ZLS – Zenter fir d’Lëtzebuerger Sprooch wurde gegründet, um Projekte zur Stärkung der Sprache zu koordinieren. Das ZLS arbeitet an Wörterbüchern, entwickelt Konzepte, wie man Luxemburgisch lernen kann, und bietet digitale Hilfsmittel an. Du kannst zum Beispiel im Internet die Bedeutung von Wörtern recherchieren und deine luxemburgischen Texte vom Spellchecker automatisch verbessern lassen.
- Der „Kommissär fir d’Lëtzebuerger Sprooch“ arbeitet für die Regierung. Er setzt sich dafür ein, dass Luxemburgisch sichtbar, lebendig und modern bleibt, sowohl im Alltag als auch im öffentlichen Raum.
- Der CPLL — Conseil Permanent de la Langue Luxembourgeoise achtet darauf, dass die luxemburgische Sprache richtig geschrieben wird, entwickelt Regeln und entscheidet zum Beispiel, wie neue Wörter geschrieben werden.
Diese Institutionen arbeiten Hand in Hand, um sicherzustellen, dass Lëtzebuergesch auch in Zukunft ein lebendiger Teil der Gesellschaft bleibt, in Schule, Verwaltung, Medien und Alltag.
Zur Gelegenheit des Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch gibt es ein ganzes Programm mit Veranstaltungen.
Damit du dein Luxemburgisch testen kannst, haben wir ein Kreuzworträtsel auf Luxemburgisch zusammengestellt. Alle Lösungsworte sind Luxemburger Spezialitäten. Die Auflösung findet ihr weiter unten auf dieser Seite.
1. Dicker, aufgeschlagener süßer Rahm („Klapp…“)
2. Fritierte Kartoffelplätzchen
3. In Schichten gebackener Kuchen
4. Weiche Mehlklöße
5. Belegte Brotscheibe
6. Kleine, oft einzel verpackte Süßigkeit
7. Apfelmus
8. Typischer luxemburgischer Kochkäse
9. Frittierter Karnevalssnack mit gezwirbeltem Teig
10. Bohnensuppe mit grünen Bohnen, Kartoffeln und Speck
11. Laut Name ist in dieser Wurst Wein drin

Auflösung:

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