Chocolate, Chewinggum und sonntags eine Limonade

1. Juni 2026

Das Leben eines Mädchens im Zweiten Weltkrieg 

Die Klasse C3.2 aus der Schule „An Eigent“ in Petingen mit Marguerite Pax nach dem Interview. Foto:SCRIPT

Wir, die Klasse C3.2 aus der Schule „An Eigent“ in Petingen, haben für die Mini-Redaktion das Thema „Zweiter Weltkrieg“ ausgesucht. Petingen war das erste Dorf in Luxemburg, das von der amerikanischen Armee befreit wurde.  

So kam uns relativ schnell die Idee, eine Zeitzeugin zu befragen, die damals ein Kind war. 

Wir haben Marguerite Pax zu uns eingeladen und befragt.

Lies hier unser Porträt von Marguerites Kindheit im Krieg! 

Und höre weiter unten auf dieser Seite das ganze Interview mit Marguerite Pax.

Alltag im Krieg 

„Für mich war der Alltag unter Kriegsbedingungen ‚normal‘, da ich das Leben nicht anders kannte“, erzählt Marguerite. Sie ist heute siebenundachtzig Jahre alt. An ihren ersten Schultag erinnert sie sich genau, denn eigentlich fiel dieser Tag aus. Wegen des Krieges durfte sie nicht zur Vorschule gehen. Ihre Mutter hatte ihr trotzdem eine schöne Schultasche genäht. Sie zog ihr schickstes Kleid an und setzte sich stolz auf die Treppe vor ihrem Haus. 

Freunde gab es keine in der Umgebung. Also verbrachte Marguerite einen Großteil der Tage zu Hause mit ihrer Mutter und spielte alleine. Das machte ihr Spaß, vor allem, wenn sie in dem großen Garten Johannisbeeren naschen durfte, erzählt sie. 

Frisches Obst und Gemüse waren sehr selten in der Stadt. Marguerite kannte keine Orangen oder Bananen, und Schokolade schon überhaupt nicht. Sonntags gab es Fleisch und ein Glas Limonade. Nicht mehr, und nur, wenn sie schön brav ihren Haferbrei aufgegessen hatte.  

Steckbrief 

Name: Marguerite Pax 

Geboren: 19. Februar 1939 

Alter während dem 2. Weltkrieg: 0-6 Jahre 

Wohnort damals: Gasperich (Teil von Luxemburg-Stadt)  

Das erste Kriegserlebnis 

Marguerite hatte ihr erstes Kriegserlebnis, als ihre Familie einmal gemeinsam am Mittagstisch saß. Sie hörten plötzlich ein ohrenbetäubendes Krachen, das Küchenfenster zerbrach und Marguerites Schwester flog vom Stuhl, bis ins Nebenzimmer. Eine Bombe war eingeschlagen … nicht weit entfernt von ihrem Haus. Ab dann hörten sie immer wieder die Sirenen und die Bomber. „Bis heute habe ich immer ein komisches Gefühl im Bauch, wenn ich ein Frachtflugzeug höre, denn die machen ein ähnliches Geräusch“, erklärt Marguerite. Sirene bedeutete: So schnell wie möglich in einen nahegelegenen Keller flüchten. Einmal musste die Familie vier Tage und Nächte in diesem Keller bleiben. „Wie immer brachte unsere Mutter es fertig, ein gutes Gericht zu zaubern“, erinnert sich Marguerite, „Nudeln mit rosa Soße: Immer noch eines meiner Leibgerichte!“ 

Ohne dass die deutschen Soldaten es bemerkten, schlich sich Marguerites Vater manchmal in aller Frühe auf seinem Fahrrad aus der Stadt. Er fuhr in den Norden Luxemburgs zu einem Bauern, den er kannte, um zu „hamstern“. Das heißt, er kaufte dort heimlich Schinken, Speck, Butter und Eier. Wenn ein Auto kam, versteckte er sich im Wald, denn wenn die Soldaten ihn erwischt hätten, wäre er weggeführt und eingesperrt worden. 

Die Befreiung 

Eines Tages gab es draußen ein lautes Getöse. Alle Menschen liefen aus den Häusern und beobachteten, wie unzählige amerikanische Militärfahrzeuge die Straße hochfuhren. Der Krieg war vorbei! Der Tag der Befreiung war einer der schönsten in ihrem Leben, sagt Marguerite. Auf den Militärfahrzeugen saßen strahlende amerikanische Soldaten. Marguerite bat einen von ihnen um „chocolate and chewing gum, please“. Sie bekam die Schokolade, aber die Sache ging nicht gut aus: „Leider aß ich diese ganze Tafel schwarze, ungesüßte Schokolade auf einmal. Danach hatte ich furchtbare Magenkrämpfe, und esse deswegen seitdem keine schwarze Schokolade.“ 

Ab dem Moment nahm das Leben in Luxemburg ganz langsam wieder seinen normalen Lauf. Marguerite freute sich, dass sie unendlich viel Neues erfahren und entdecken konnte: Sie durfte endlich zur Schule gehen, hatte Freunde, ging ins Kino, und verbrachte ihre ersten Ferien mit ihrer Familie in Frankreich am Meer. 

Gespannt hört die Klasse C3.2 aus Petingen der Zeitzeugin Marguerite Pax zu. Foto: SCRIPT