Der Aletsch-Gletscher in der Schweiz ist der größte Gletscher in den Alpen. Foto: Shutterstock/mapman

Die Welt der Gletscher: Warum das Eis verschwindet

24. September 2025

Was ist ein Gletscher?

Ein Gletscher entsteht, wenn es in den Bergen so viel schneit, dass der Schnee nicht mehr ganz wegschmilzt. Jahr für Jahr kommt eine neue Schicht Schnee hinzu. Mit der Zeit wird der Schnee zusammengedrückt und verwandelt sich in Eis. Wenn die Eismasse sehr groß wird und langsam den Hang hinunterwächst, spricht man von einem Gletscher.

Ein Gletscher sieht aus wie ein riesiger, ganz langsamer Fluss aus Eis. Manche Gletscher in den Alpen sind viele Kilometer lang und mehrere hundert Meter dick. Sie können Tausende Jahre alt sein. Doch die Tage der Gletscher sind gezählt. Weil das Klima immer wärmer wird, schmelzen sie immer schneller.

Der Morteratsch-Gletschers in der Schweiz
Am Rande des Morteratsch-Gletschers in der Schweiz sieht man das „blaue Eis“.
Foto: Shutterstock/YueStock

Die Alpen

Die Alpen sind ein großes Gebirge mitten in Europa. Sie sind vor Millionen von Jahren entstanden. Damals stießen zwei riesige Erdplatten langsam zusammen. Das Gestein wurde dabei nach oben gedrückt und gefaltet. So wuchsen die Alpen zu hohen Bergen heran. Heute sind sie ein besonderer Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und ein beliebtes Ziel zum Wandern oder Skifahren.

Wanderer in den Alpen
Die Alpen sind ein beliebtes Ziel zum Wandern.
Foto: Shutterstock/Julia Mountain Photo

Warum sind Gletscher wichtig?

Gletscher sind wie große Wasserspeicher. Im Winter sammeln sie Schnee. Im Sommer geben sie Wasser ab, das in Flüsse und Seen fließt. Menschen brauchen dieses Wasser zum Trinken, für die Felder und für Strom aus Wasserkraft. Auch Tiere und Pflanzen brauchen dieses Wasser. Gletscher helfen außerdem, das Klima zu kühlen. Das helle Eis wirft Sonnenstrahlen zurück ins All. Wenn das Eis verschwindet, bleibt dunkler Fels übrig, der Wärme speichert. So erwärmt sich die Erde noch schneller.

Vor 117 Jahren reichte dieser kanadische Gletscher (links im Hintergrund) noch
bis zum Schild. Foto: Shutterstock/Matty Symons

Warum schmelzen die Gletscher?

Die Erde wird wärmer, weil in der Luft zu viele Treibhausgase sind. Diese entstehen vor allem, wenn Kohle, Öl und Gas verbrannt werden. Die Gase wirken wie eine Decke über der Erde. Sie halten die Wärme fest. Deshalb schmelzen die Gletscher schneller, als neuer Schnee dazukommt. Viele Gletscher in den Alpen werden jedes Jahr kürzer und dünner. Forschende rechnen damit, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts viele von ihnen fast verschwunden sein könnten.

Der Glacier de
Tortin im Schweizer
Kanton Wallis
Der Glacier de Tortin im Schweizer Kanton Wallis wird pro Jahr 8 Meter kürzer. (Foto: SCRIPT)

Was passiert, wenn die Gletscher verschwinden?

Das Schmelzen der Gletscher hat viele Folgen. Eine der größten Sorgen ist, dass der Meeresspiegel steigt: Es gelangt mehr Wasser in die Ozeane. Das Meer steigt langsam an. Küsten und Inseln geraten in Gefahr, weil das Land überflutet werden kann. Das ist in manchen Teilen der Welt jetzt schon ein großes Problem. Millionen von Menschen werden in Zukunft ihre Heimat verlieren.

Auch die Versorgung mit Wasser verändert sich. Gletscher speichern den Schnee des Winters und geben im Sommer Schmelzwasser ab. Ohne das Schmelzwasser fließt in vielen Flüssen im Sommer deutlich weniger Wasser. Das bedeutet: weniger Trinkwasser, weniger Wasser für Felder und weniger Energie aus Wasserkraftwerken. In trockenen Zeiten kann es deshalb schneller zu Wassermangel kommen.

Die Erderwärmung zerstört die Gletscher. Grafik: Shutterstock/robuart

Für die Natur sind Gletscher ebenfalls wichtig. Tiere wie die Schneemaus oder der Steinbock leben in kalten Bergregionen. Wenn das Eis verschwindet, werden ihre Lebensräume kleiner. Auch Pflanzen, die nur im Hochgebirge wachsen, drohen zu verschwinden.

Das warme Klima zerstört die Gletscher – und wegen der fehlenden Gletscher wird das Klima noch wärmer. Gletscher wirken wie Spiegel, die die Sonne zurückwerfen. Wenn die Eisflächen kleiner werden, bleibt mehr Wärme auf der Erde. Dadurch heizt sich die Luft noch stärker auf. Das führt zu einem Kreislauf: Je weniger Gletscher es gibt, desto schneller erwärmt sich die Erde – und desto schneller schmelzen die restlichen Gletscher.

Kannst du etwas tun?

In Luxemburg gibt es keine Gletscher. Die Erwärmung des Klimas betrifft uns natürlich trotzdem. Leider kann man das Schmelzen der Gletscher nicht einfach stoppen. Aber man kann es verlangsamen. Je weniger Treibhausgase in die Luft gelangen, desto langsamer erwärmt sich die Erde. Das bedeutet: mehr mit dem Fahrrad oder Bus fahren, weniger Energie verschwenden und erneuerbare Energie nutzen. Erwachsene, Regierungen und die Wissenschaft müssen dafür sorgen, dass die Erde geschützt wird.

Ein Luxemburger erforscht die Gletscher

Wer ist Tom Battin?

Tom Battin kommt aus Esch in Luxemburg. Heute ist er Professor an der berühmten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne in der Schweiz.

Tom Battin
Tom Battin erforscht die Welt der Gletscher. (Foto: Screenshot YouTube-Kanal EPFL)

Was macht er?

Er erforscht, wie Gletscher aufgebaut sind und was in ihrem Inneren passiert. Besonders spannend findet er die winzigen Lebewesen, die im Eis leben. Diese Mikroorganismen könnten in Zukunft sogar bei der Entwicklung neuer Medikamente helfen.

Warum ist seine Arbeit wichtig?

Tom Battin arbeitet mit Forschenden aus vielen Ländern zusammen. Gemeinsam wollen sie besser verstehen, wie sich Gletscher verändern und wie Menschen sich darauf einstellen können. So hilft er dabei, die Folgen des Klimawandels rechtzeitig zu erkennen und neue Lösungen zu suchen.