Stell dir vor, du kommst morgens zur Schule und entdeckst das reinste Chaos: eingeschlagene Fenster, kaputte Möbel, Wände voller Farbe. So etwas nennt man „Vandalismus“. Mit dem Wort ist gemeint, dass Menschen absichtlich Dinge beschädigen oder zerstören, die ihnen gar nicht gehören. Nicht nur an Schulen ist das ein Problem.
Ein teures Beispiel
In einer Schule in Roodt/Syr richteten drei Jugendliche über Ostern 2026 großen Schaden an. Sie schlugen Fensterscheiben ein, zerstörten eine digitale Tafel und machten mehrere Laptops kaputt. Neun Klassenräume wurden verwüstet. Der entstandene Schaden beträgt rund 100.000 Euro.
Vandalismus hat viele Gesichter. Manche zerkratzen Autos, schlagen Fensterscheiben ein oder schneiden Sitze in Bus und Bahn auf. Andere beschmieren Hauswände, Denkmäler oder Züge mit Farbe. Vielleicht macht das im Moment Spaß. Was viele aber vergessen: Jemand muss den Schaden am Ende bezahlen.
Viele vergessen, dass andere Menschen für den Schaden bezahlen müssen! Foto: Shutterstock / Masarik
Woher kommt das Wort „Vandalismus“?
Die Vandalen waren ein germanischer Volksstamm. Im Jahr 455 nach Christus eroberten sie Rom. Sie plünderten und verwüsteten die Stadt, und nahmen viele wertvolle Schätze mit. Das Wort „Vandalismus“ entstand erst vor etwas mehr als 200 Jahren während der Französischen Revolution. Damals wurden viele Denkmäler und Kunstwerke absichtlich zerstört. Seither bezeichnet man das mutwillige Beschädigen von Dingen als Vandalismus.
Warum machen Menschen Sachen kaputt?
Es gibt viele Gründe für Vandalismus. Manche Vandalinnen und Vandalen handeln aus Wut oder Frust. Andere langweilen sich oder wollen vor Freundinnen und Freunden mutig oder cool wirken. Wieder andere denken in diesem Moment einfach nicht darüber nach, welche Folgen ihr Verhalten hat.
Manchmal geschieht die Zerstörung auch aus Protest. Durch Vandalismus an Wahlkampfplakaten wollen Menschen zum Beispiel zeigen, dass sie mit Politikern oder Politikerinnen nicht zufrieden sind. Diese Art von Protest ist illegal – Wahlplakate darf man nicht kaputt machen.
Auch Friedhöfe sind kein Ort für Vandalismus
Besonders traurig ist Vandalismus auf Friedhöfen. Dort besuchen Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und erinnern sich an sie. Werden Gräber absichtlich beschädigt, verletzt das die Hinterbliebenen sehr. Wer so etwas tut, muss mit einer Strafe rechnen. Je nach Schwere können Geldstrafen oder sogar Gefängnisstrafen verhängt werden. Auch hier gab es im April diesen Jahres einen Zwischenfall, bei dem der Nikloskierfecht in Luxemburg-Stadt absichtlich beschädigt wurde. Zwei Monate später wurden im Juni 110 Gräber in Hollerich beschädigt. Vandalen rissen Figuren und Buchstaben von den Gräbern.
Graffiti – Kunst oder Sachbeschädigung?
Graffiti können beeindruckende Kunstwerke sein. Manche Bilder sind bunt, kreativ und erzählen sogar Geschichten. Sie können aber auch Vandalismus sein. Man darf nämlich nicht einfach so drauflos sprayen. Ein Haus gehört seiner Besitzerin oder seinem Besitzer. Genauso gehören Züge den Bahnunternehmen. Wer ohne Erlaubnis Wände, Häuser oder Züge besprüht, begeht eine „Sachbeschädigung“. Das ist strafbar.
Warum sind Züge bei Sprayern so beliebt?
Eigentlich ganz einfach: Weil sie durch viele Städte fahren und jeden Tag von Tausenden Menschen gesehen werden. Für Graffiti-Sprayer ist ein Zug wie eine riesige, fahrende Leinwand.
Was ist ein Tag?
Nicht alle Graffitis sind kunstvolle Bilder. Manchmal siehst du nur Buchstaben und Zeichen. Das sind „tags“. Gemeint sind dabei natürlich keine Wochentage. „Tag“ kommt aus dem Englischen (man spricht es „Täg“ aus). Es ist die persönliche Unterschrift der Sprayer. Oft ist es ein selbst erfundener Künstlername. Tags bestehen meist nur aus wenigen Buchstaben und sollen zeigen: „Ich war hier.“
War das Graffiti illegal, muss es mit viel Aufwand entfernt werden. Foto: Shutterstock / Paolo Bona
Graffitikünstler Alain Welter:
Wie bist du Graffitikünstler geworden?
Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gern gezeichnet. Als ich älter wurde, ging ich mit Freunden ins Schluechthaus und machte dort meine ersten Erfahrungen mit Graffiti. Je mehr ich sprühte, desto größer wurde meine Begeisterung.
Nach meinem Bachelorstudium entschied ich mich deshalb, nach Berlin zu ziehen und Illustration zu studieren. Meine Bachelorarbeit wurde schließlich auch zu meinem ersten großen Projekt: „Make Koler Kooler“.
Seit meinen ersten Graffiti-Versuchen hat mich diese Kunstform nicht mehr losgelassen. Sie ist bis heute meine große Leidenschaft. Umso schöner ist es, dass ich meinen Beruf mit genau dieser Leidenschaft verbinden kann.
Welches ist dein Lieblingsgraffiti?
Der Frosch auf meinem Elternhaus ist mein Lieblingsgraffiti.
Das Lieblingsgraffiti von Alain Welter. Foto: Alain Welter
Was macht dir am Sprayen am meisten Spaß?
Mich fasziniert, dass ich aus dem Nichts etwas erschaffen kann – etwas Farbenfrohes, was Menschen inspiriert, berührt und zum Nachdenken anregt.
Legale Graffiti-Wände
Die gute Nachricht: Wer gerne sprayt, muss das nicht heimlich tun. In vielen Städten gibt es Flächen, auf denen Graffiti ausdrücklich erlaubt sind. Auch in Luxemburg gibt es welche, zum Beispiel beim alten Schlachthaus in Luxemburg-Stadt. Manchmal werden sogar Workshops angeboten, in denen Kinder und Jugendliche lernen können, wie Graffiti-Kunst entsteht. So kann man kreativ sein, ohne etwas kaputt oder sich strafbar zu machen.
Auch manche Besitzerinnen und Besitzer stellen die Wände ihrer Gebäude für Graffiti zur Verfügung. In Kahler, im Westen des Landes, durfte der Künstler Alain Welter eine Fassade mit seiner Kunst gestalten.
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