Für Dyslexie muss man sich nicht schämen!
13. April 2026Ein Interview mit Prinz Louis von Luxemburg

Prinz Louis hat seine eigene Erfahrung mit Dyslexie zu seinem Beruf gemacht. Er begleitet Menschen mit Dyslexie im Berufsleben und zeigt ihnen, wie sie ihre besondere Denkweise konstruktiv nutzen können. Er ist zertifizierter Mediator und unterstützt in unterschiedlichen Konfliktsituationen. Er ist auch bei der Fondation du Grand-Duc Henri et de la Grande- Duchesse Maria Teresa engagiert. Dort werden Projekte im Bereich Lernschwierigkeiten in Luxemburg gefördert und gemeinsam mit verschiedenen Partnern neue Lösungsansätze entwickelt. Darüber hinaus ist er Head of New Diversity beim Start-up MAGRID, das Kinder mit Neurodiversität unterstützt.
De Piwitsch: Wie war es für Sie, in der Schule mit Dyslexie zu lernen?
Prinz Louis: Meine Schulzeit war schwierig. Ich musste viel auswendig lernen. Das ist das Schlimmste, was einem Kind mit Dyslexie passieren kann. Wenn man Dyslexie hat, ist es besonders wichtig, dass man lernt, richtig zu lernen. Man muss verstehen, was man tut und warum. In meiner Schulzeit hatte ich das Gefühl, dass darauf nicht genug geachtet wurde.
De Piwitsch: Hatten Sie Hilfe?
Prinz Louis: Ja, zum Glück! Meine Eltern unterstützten mich sehr. In der Schule gab es einen Lehrer, der sich gezielt um mich kümmerte. Das war auch notwendig, denn manche Aufgaben waren für mich einfach schwieriger als für meine Mitschüler und Mitschülerinnen. Bei einigen Prüfungen durfte ich einen Computer benutzen und erhielt zusätzliche Schreibzeit. Der Computer war für mich nicht nur hilfreich, sondern absolut notwendig. So konnte ich zeigen, dass ich die Inhalte wirklich verstanden hatte, und ich konnte mein Wissen korrekt wiedergeben. Ohne diese Maßnahmen hätte ich nie beweisen können, was ich tatsächlich weiß. Ich hätte bei den Prüfungen einfach schlecht abgeschnitten. Es ist so wichtig, dass betroffene Kinder die Unterstützung erhalten, die sie brauchen!
De Piwitsch: Hatten Sie Tricks, um sich selbst zu helfen?
Prinz Louis: E hrlich g esagt, ich hatte keine besonderen Tricks. Ich habe mich halt zusätzlich angestrengt – aber das war auch sehr frustrierend. Erst während meines Studiums wurde mir bewusst, dass man nicht auswendig lernen muss, wenn man etwas wirklich verstanden hat. Mein großes Interesse für meine Fächer hat dabei geholfen. Das war dann auch der Wendepunkt, ab dem ich alle Fragen ohne größere Probleme beantworten konnte, weil ich die Themen und Inhalte wirklich beherrschte. Dann machte es auch Spaß, wenn es einmal ein wenig kniffliger wurde.
De Piwitsch: Was möchten Sie Kindern mit auf den Weg geben, die eine Lernstörung haben?
Prinz Louis: Das Wichtigste ist Geduld. Einerseits sollten Eltern und Lehrkräfte Geduld mit Kindern haben, die anders lernen. Aber die betroffenen Kinder sollten auch Geduld mit sich selbst haben. Sie dürfen nicht vergessen, dass es keine Frage der Intelligenz ist. Sie sind nicht weniger begabt als andere Kinder. Sie können sehr viel. Sie sind klug. Dyslexie zu haben ist kein Grund, sich zu schämen! Es ist am Ende eine Frage der Vermittlung, das heißt, wie man Informationen aufnimmt und das, was man verstanden hat, anschließend zeigen und ausdrücken kann.