Im Oktober 2000 schwor Henri seinen Amtseid als Großherzog. (Foto: SIP)

Großherzog Henri

23. September 2025

25 Jahre an der Spitze des Landes

Am 3. Oktober wird in Luxemburg groß gefeiert. An diesem Tag passiert etwas ganz Besonderes: Großherzog Henri gibt nach 25 Jahren sein Amt als Staatsoberhaupt auf. Sein Sohn Guillaume wird dann der neue Großherzog.

Luxemburg ist ein kleines Land mit einer besonderen Regierungsform: der konstitutionellen Monarchie. Das bedeutet: An der Spitze des Landes steht ein Großherzog, der aber nicht allein entscheiden darf, sondern mit der Regierung und dem Parlament zusammenarbeitet.

Wer ist Großherzog Henri?

Großherzog Henri blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück. Als er 1955 als Prinz Henri geboren wurde, stand noch seine Großmutter, Großherzogin Charlotte, an der Spitze des Landes. Prinz Henri ging in Luxemburg und Frankreich zur Schule. Später studierte er in der Schweiz. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Maria Teresa Mestre kennen, die aus Kuba stammt. Das Paar verlobte sich 1980 und heiratete ein Jahr später. 1981 kam auch ihr erstes Kind zur Welt: der Thronfolger Guillaume.

In seiner Amtszeit unternahm der Großherzog
viele Auslandsreisen.
In seiner Amtszeit unternahm der Großherzog viele Auslandsreisen. (Foto: SIP/Christopher Olinger)

Als zukünftiger Großherzog wurde Prinz Henri zum Erbgroßherzog. Er übernahm immer mehr offizielle Aufgaben: Zwischen 1980 und 1998 war er Mitglied des Staatsrates. Der Staatsrat ist dafür verant- wortlich, neue Gesetze zu prüfen, bevor das Parlament darüber abstimmt, damit alle neuen Gesetze mit der Verfassung und den Regeln des Landes übereinstimmen. Erbgroßherzog Henri übernahm auch inter- nationale Aufgaben. Er nahm zum Beispiel an luxemburgischen Wirtschaftsmissionen ins Ausland teil. Bei solchen Reisen fahren Politiker und Politikerinnen mit den Chefs großer Firmen ins Ausland. Sie helfen Luxemburger Firmen, im Ausland Geld zu verdienen, und ausländischen Firmen, nach Luxemburg zu kommen.

Zuletzt begrüßte der Großherzog den mittlerweile verstorbenen Papst Frankziskus. (Foto: Sierakowski Frederic)

1998 wurde Henri von seinem Vater, Großherzog Jean, zum Lieutenant- Représentant ernannt, was ihm erlaubte, noch mehr Aufgaben zu übernehmen. Diese Funktion gilt als die letzte große Etappe auf dem Weg dazu, Großherzog zu werden. Im Oktober 2000 war es dann so weit: Nach der Abdankung seines Vaters wurde Henri offiziell Großherzog.

Was macht ein Großherzog eigentlich alles?

Der Großherzog ist Staatsoberhaupt Luxemburgs. Er vertritt das Land bei internationalen Treffen, besucht andere Staatsoberhäupter und empfängt auslän- dische Staatsgäste im großherzoglichen Palast. Das ist auch immer der Moment, wo den Gästen die besonders schönen Plätze des Landes gezeigt werden. In seinen 25 Amtsjahren bereiste Großherzog Henri ganz viele Länder, vom nahen Belgien oder Frankreich bis zum weit entfernten Japan.

Während seiner Amtszeit wurde fünfmal eine neue Regierung gewählt. Dabei war es die Aufgabe des Großherzogs, den Premierminister und die Minister und Ministerinnen offiziell zu ernennen. Der Großherzog ist automatisch auch oberster Befehlshaber der luxemburgischen Armee. Das bedeutet aber nicht, dass er selbst in den Krieg zieht; es ist eher eine symbolische Aufgabe. Dennoch nimmt Großherzog Henri diese Aufgabe sehr ernst. Wie sein Vater vor ihm absolvierte er eine militärische Ausbildung in England.

Großherzog Henri engagiert sich für den Tierschutz.
Großherzog Henri engagiert sich für den Tierschutz.
(Foto: Cyril Bailleul)

Bis 2008 gehörte das Sanktionieren von Gesetzen zu den Aufgaben des Großherzogs. Das bedeutet, dass er alle Gesetze, die im Parlament beschlossen wurden, noch einmal überprüfen und ihnen zustimmen musste, bevor sie in Kraft treten konnten. 2008 verweigerte Großherzog Henri aber aus Gewissensgründen das Unterzeichnen des Gesetzes über die Sterbehilfe.

Damit war das im Parlament gestimmte Gesetz blockiert. Um diese Blockade zu beenden, stimmte der Großherzog einer Änderung der Verfassung zu. Die Rolle des Großherzogs wurde neu festgelegt. Der Großherzog muss Gesetze nun nur noch verkünden, braucht ihnen aber nicht mehr zuzustimmen.

Angeberwissen

Luxemburg — eine konstitutionelle Monarchie

An der Spitze von Luxemburg steht ein Monarch (= ein einziger Herrscher), der Großherzog. Das macht Luxemburg zu einer Monarchie. Aber der Monarch entscheidet nicht alles selbst. Es gibt Regeln und Gesetze, an die er sich halten muss. Diese Regeln stehen in der Verfassung. Ein anderes Wort für Verfassung ist Konstitution. Weil die Verfassung der Monarchie die Regeln vorgibt, ist Luxemburg eine konstitutionelle Monarchie.

Der Großherzog ist viel mehr als nur eine Person: Er ist ein Symbol der Einheit und Unabhängigkeit des Landes. Viele Menschen sehen ihn als eine wichtige Figur, die das Land zusammenhält. In Krisenzeiten
— etwa während der Covid-Pandemie oder bei den großen Überschwemmungen 2021 — wandte er sich an die Bevölkerung, spendete Trost und gab Hoffnung.

Der Großherzog in seiner Freizeit

Trotz seiner vielen Aufgaben nimmt sich Großherzog Henri auch Zeit für seine Familie. Er ist Vater von fünf Kindern und hat mittlerweile acht Enkelkinder. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport, Schwimmen, Tennis, Ski und Wasserski, und interessiert sich besonders für klassische Musik. Seit 1998 ist der Großherzog Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Das ist die Organisation, die die Olympischen Spiele organisiert. So besuchte der Großherzog in den vergangenen Jahren fast alle olympischen Sommer- und Winterspiele und drückte natürlich den luxemburgischen Sportlerinnen und Sportlern ganz besonders die Daumen.

Das großherzogliche Paar verreist privat gern in die Berge.
Das großherzogliche Paar verreist privat gern in die Berge.(Foto: Collection photographique de la Maison grand-ducale)

Großherzog Henri unterstützt zusammen mit seiner Frau eine ganze Reihe von Vereinen, die im Sport oder in der Kunst aktiv sind, oder die dazu da sind, anderen Menschen zu helfen.

Ein Großherzog hat also viel zu tun! Mit der Übergabe des Amtes an seinen Sohn beginnt nun ein neues Kapitel — und Großherzog Henri wird künftig wohl etwas mehr Zeit für private Dinge haben.