Im Rampenlicht
23. Februar 2026Ein Interview mit der Schauspielerin Eugénie Anselin

Eugénie Anselin
- 34 Jahre
- geboren in Paris, aufgewachsen in Luxemburg
- Schauspielstudium in Zürich
- Hobby: Geige spielen
De Piwitsch : Wie wurden Sie Schauspielerin?

Eugénie Anselin: Schon als Kind besuchte ich im Sommer Kurse für Improvisation. Dort lernten wir, spontan zu schauspielern. Mit elf Jahren ging ich zu einem Casting. Für den Kurzfilm Trinity wurde eigentlich ein Junge gesucht. Ich wollte die Rolle jedoch unbedingt spielen und bewarb mich trotzdem. Ich hatte Glück! Ich bekam die Rolle, das Drehbuch wurde kurzerhand umgeschrieben. Beim Dreh lernte ich viele interessante Menschen kennen und war mir sicher: Das wird mein Beruf!
De Piwitsch: Schauspielern Sie auch im Privatleben?

EA: Das klingt vielleicht negativ, aber ich kann sehr gut lügen – beziehungsweise glaubwürdig erzählen. Schon als Kind dachte ich mir Geschichten aus. Mit meinen Geschwistern drehte ich kurze 14 Filme. Ich war schon früh sehr kommunikativ und spielte oft den Clown. Doch das bin ich. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind eher zurückhaltende Menschen.
De Piwitsch: Muss man als Schauspielerin eine Ausbildung machen?

EA: Niemand zwingt einen dazu, aber es hilft! An einer Schauspielschule lernt man zum Beispiel, wie man lange sprechen kann, ohne dass die Stimme leidet, oder wie man den eigenen Körper gezielt einsetzt. Solche Techniken helfen mir bei der täglichen Arbeit, besonders im Theater. Beim Film kann man eine Szene fünfzehn Mal spielen, im Theater jedoch nicht. Dort ist alles live und muss beim ersten Mal klappen.
De Piwitsch: Wie können Sie sich so viel Text merken?

EA: Ich kann nicht am Schreibtisch lernen. Bewegung hilft mir dabei. Ich schnappe mir den Text und gehe in den Wald. Die Zeilen müssen nicht nur in meinen Kopf, sondern in meinen Körper. Außerdem kann ich den Text dort laut aufsagen, ohne jemanden zu stören. So habe ich das schon früher in der Schule gemacht.
De Piwitsch: Haben Sie Ihren Text schon einmal vergessen?

Epochen. Foto: privat
EA: Leider ja. Ich stand allein auf der Bühne. Plötzlich hatte ich einen totalen Blackout – der Text war komplett weg. Ich bin dann von der Bühne gerannt und habe das Stück nicht zu Ende gespielt. Ich bin nur noch einmal herausgekommen, um mich zu verbeugen. So etwas kann passieren. Es ist unangenehm, aber die Welt geht davon nicht unter.
De Piwitsch: Fällt es Ihnen schwer, unsympathische oder schwierige Figuren zu spielen?

Foto: Ricardo Vaz Palma
EA: Ich gebe einer Rolle meinen Körper, meine Stimme und meine Gefühle. Beim Spielen bin ich ganz in der Figur drin. Gleichzeitig weiß ich: Es ist nur eine Rolle. Wenn ich von der Bühne gehe, lege ich sie wieder ab. Auch das lernt man in der Ausbildung. Das ist bei schwierigen Figuren wichtig, damit man zum Beispiel die Trauer nicht mit nach Hause nimmt.
De Piwitsch: Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Foto: Sava Hlavacek
EA: Mir wird nie langweilig. Es ist immer abwechslungsreich. Auch vor Publikum zu spielen macht mir großen Spaß, besonders, wenn das Publikum die Emotionen des Stücks aufnimmt.
De Piwitsch: Wird man als Schauspielerin reich?
EA: Ich kann gut davon leben, aber reich bin ich nicht. Wer Millionär werden möchte, sollte eher einen anderen Beruf wählen.

De Piwitsch: Haben Sie einen großen Wunsch für Ihre Karriere?
EA: Ich habe viele Wünsche. Ich möchte nicht unbedingt nach Hollywood oder in ganz großen Filmen spielen. Wichtiger ist mir, spannende Rollen zu übernehmen und mit interessanten Menschen zu arbeiten. Kinofilme interessieren mich jedoch immer mehr.
Als Schulklasse kann man Theatervorstellungen besuchen oder bei einer Probe zusehen.