Danielle Köller-Willems hält eine alte Tradition am Leben. Foto: SCRIPT

Das Buchbinden: Ein Beruf, der Bücher schützt

5. Januar 2026

Wenn man ein Buch aufschlägt, sieht man ordentlich angeordnete Seiten. Diese Seiten werden durch den Einband zusammengehalten. Heutzutage werden die meisten Bücher geklebt. Es gibt jedoch noch eine andere, ältere und schönere Bindetechnik. Die Seiten werden miteinander vernäht. Dieser Einband hält das Buch fest zusammen. So bricht es nicht und Sie können lange Freude daran haben. Danielle Köller-Willems beherrscht diese Art des Buchbindens noch immer.

Danielle näht ein Buch mit Garn. Foto: SCRIPT
Früher kopierten Mönche Bücher von Hand. Illustration: Shutterstock / Morphart Creation

Woher kommt das Buchbinden?

Die ersten richtigen Bücher wurden von Mönchen hergestellt. Ein Mönch ist ein Mann, der in einem Kloster lebt, einem religiösen Gebäude, in dem er betet, liest und arbeitet. Früher gab es keine Drucker. Die Mönche kopierten die Texte der Bücher monatelang oder sogar jahrelang von Hand. Anschließend nähten sie die Seiten mit Faden zusammen und versahen sie mit einem stabilen Einband, um diese wertvolle Arbeit zu schützen.

Warum gibt es Buchbinderei?

Ohne Einband lösen sich die Seiten eines Buches und gehen verloren. Mit einem guten Einband kann ein Buch sehr lange halten. „Ein Buch muss jeden Tag geöffnet werden können, ohne zu zerbrechen“, erklärt Danielle.

Die Arbeit der Buchbinderin und des Buchbinders

Ein Kunde holt seine Bücher aus seiner Kindheit ab. Foto: SCRIPT

Danielle schaut sich jede Seite sorgfältig an und sucht nach beschädigten Stellen. „Die Reparatur eines beschädigten Buches erfordert viel Geduld und Fachwissen“, erklärt sie. Viele Menschen bringen ihr ihre Kinderbücher, die sie jahrelang immer wieder gelesen haben. Einige sind zerrissen, andere völlig zerfleddert. Für ihre Besitzer sind sie wahre Schätze. Danielle zerlegt diese Bücher, näht sie neu und bindet sie wieder zusammen, damit sie noch lange halten. Sie erzählt, dass einige Kunden geweint haben, als sie ihre reparierten Bücher zurückbekommen haben, weil sie sie an ihre Kindheit erinnern. Danielle stellt auch andere wichtige Gegenstände her. Sie erstellt große Bücher mit Gesetzestexten. Sie bindet Archive für bestimmte Gemeinden, Dokumente, die die Gemeinde sehr lange aufbewahren möchte. Sie fertigt auch Mappen für wichtige Dokumente wie Heiratsurkunden an. Das sind offizielle Papiere, die beweisen, dass zwei Menschen geheiratet haben. Alle diese Gegenstände werden maßgeschneidert für eine bestimmte Person oder Dienststelle angefertigt. Man kann sie nicht in einem normalen Geschäft kaufen.

Warum braucht man diesen Beruf noch?

Alte, stark beschädigte Bücher Foto: Reliure Willems

Viele Bücher werden von Maschinen hergestellt, die schnell sind und viele Exemplare produzieren. Aber manche Bücher sind sehr alt, sehr empfindlich oder einzigartig. Diese Bücher brauchen eine menschliche Hand. „Eine Maschine macht immer die gleiche Bewegung, während ich meine Handgriffe an jedes Buch anpassen kann, je nach seinem Alter, seinem Zustand und seiner Geschichte“, sagt Danielle. Für sie ist dieser Beruf nach wie vor wichtig, denn er schützt wertvolle Geschichten, die sonst verloren gehen könnten.

Herstellung von Schachteln

Danielle stellt auch sehr schöne und sehr stabile Schachteln her. Einige davon sind für den großherzoglichen Hof von Luxemburg bestimmt. Diese Schachteln dienen dazu, die Geschenke des Großherzogs oder der Großherzogin bei offiziellen Besuchen zu transportieren. Die Geschenke sind oft aus Porzellan und müssen gut geschützt werden. Die Schachteln sind königsblau mit einer goldenen Krone auf dem Deckel. Das Innere ist mit dunkelblauem Samt ausgekleidet. Dieser Samt schützt den Gegenstand während des Transports und präsentiert ihn elegant, wenn man die Schachtel öffnet. Eine schöne Schachtel ist Teil des Geschenks, denn sie zeigt, dass der Gegenstand darin wichtig ist.

Danielle bereitet eine Schachtel für den großherzoglichen Hof vor. Foto: SCRIPT

Ein Beruf mit Zukunft

„Das Buchbinden ist ein langsames Handwerk. Jede Bewegung erfordert Zeit und Aufmerksamkeit“, erzählt uns Danielle. In einer sehr schnelllebigen Welt bleibt die Arbeit von Danielle wertvoll. „Das Buchbinden ist kein Handwerk der Vergangenheit, sondern ein Handwerk für die Zukunft, denn es verleiht den Dingen, die wir lange aufbewahren möchten, einen besonderen Wert“, sagt sie an der Türschwelle.