Lernstörung Dyslexie – Wenn die Buchstaben tanzen
13. April 2026In der Schule lernst du Lesen, Schreiben und noch vieles mehr. Das ist aber nicht für alle Kinder gleich leicht. Manche haben Probleme beim Lesen, andere beim Schreiben oder Rechnen. Noch anderen fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Solche Probleme beim Lernen nennt man Lernstörungen. Sie haben nichts damit zu tun, wie klug oder fleißig jemand ist. Diane Marx ist stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrums CDA. Sie kennt sich gut mit Problemen beim Lernen aus und erklärt, welche Hilfen es gibt.
Das Wort Dyslexie kommt aus dem Altgriechischen. „Dys“ bedeutet schwer oder schlecht. „Lexis“ kommt von „legein“, das bedeutet sowohl „sprechen“ als auch „lesen“.
Gut zu wissen
Wenn ein Kind ein paar Wochen lang Schwierigkeiten beim Lernen hat, nennen Fachleute das eine Lernschwäche oder Lernschwierigkeit. Oft kann man sie mit Nachhilfe überwinden. Eine Lernstörung hat jemand, für den das Lernen immer schwierig ist. Sie geht nicht einfach wieder weg. Aber auch hier gibt es Hilfe!

Das Centre pour le développement des apprentissages Grand-Duchesse Maria Teresa oder auch CDA ist eines von mehreren Centre de compétences des Bildungsministerium. Hier bekommen Kinder und Jugendliche Hilfe, wenn sie Lernstörungen haben.
De Piwitsch: Was ist Dyslexie?

Kompetenzzentrums CDA.
Foto: CDA
Diane Marx: Menschen mit Dyslexie haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Beim Lesen passiert im Gehirn viel auf einmal: Man sieht die Buchstaben und hört die Wörter im Kopf. Um den Sinn zu verstehen, muss man das alles miteinander verbinden. Bei vielen Menschen klappt das automatisch. Personen mit Dyslexie brauchen mehr Zeit, weil sie jeden Schritt bewusst machen müssen.
Ist Dyslexie eine Krankheit?
DM: Nein, das Gehirn funktioniert nur ein wenig anders. Es ist deswegen nicht schlechter. Es braucht nur andere Strategien und vielleicht Hilfsmittel, damit es mit dem Lesen oder dem Schreiben klappt. Manche Lernstörungen können von den Eltern vererbt werden, weil sie in den Genen liegen. Aber das ist nicht immer so.
Es gibt unterschiedliche Lernstörungen:
- ADHS
- Dyslexie
- Dyskalkulie
- Dysorthographie
- Dyspraxie
Bei ADHS funktioniert das Gehirn auf besondere Art. Betroffenen Kinder oder Erwachsenen fällt es manchmal schwer, sich zu konzentrieren. Sie können nicht so gut steuern, womit sich ihr Gehirn beschäftigen möchte. Dadurch sind sie oft leichter ablenkbar und unruhiger. Manche handeln sehr spontan.
Dyskalkulie ist eine Lernstörung. Sie bewirkt, dass Kinder Schwierigkeiten haben, Zahlen zu verstehen. Rechenaufgaben fallen ihnen schwerer. Dyskalkulie ist ein bisschen wie Dyslexie – nur mit Zahlen.
Dysorthographie ist eine Lernstörung. Sie führt dazu, dass Kinder die richtige Schreibweise von Wörtern nicht so leicht lernen. Beim Schreiben machen sie häufiger Rechtschreibfehler, obwohl sie die Wörter kennen.
Dyspraxie ist eine Störung in der Entwicklung. Kinder haben Schwierigkeiten bei Bewegungen. Das führt schon bei einfachen Aufgaben im Alltag zu Problemen, zum Beispiel Schreiben, Anziehen oder mit dem Ball spielen. Besonders die Feinmotorik fällt ihnen schwer, also alles, wofür man Fingerspitzengefühl braucht.
Gut zu wissen
Fahrrad fahren geht irgendwann von ganz allein. Durch die Übung macht dein Körper die Bewegungen automatisch. So ist das auch beim Lesen. Du denkst nicht mehr darüber nach, dass du einzelne Buchstaben und Wörter miteinander verbinden musst, sondern verstehst einfach den Sinn. Bei Personen mit Dyslexie passiert das aber nicht automatisch, auch wenn sie viel üben.
Wie viele Kinder sind von Lernstörungen betroffen?
DM: Ungefähr eines von zwanzig Kindern hat eine Lernstörung, also fast in jeder Klasse ein Kind. Die Lernstörung kann stärker oder schwächer sein. Kinder können auch mehrere Lernstörungen gleichzeitig haben.
Welche Hilfe gibt es?
DM: Mit Tests und Gesprächen finden wir heraus, welche Schwierigkeiten ein Kind hat. Wir achten auch darauf, wie es dem Kind damit geht – ob es traurig ist oder sehr darunter leidet. Es gibt Übungen und kleine Tricks, wie man mit Lernstörungen umgehen kann. Ein Lese-Lineal ist ein farbiger Streifen, den man auf den Text legt. Er hilft dabei, in der richtigen Zeile zu bleiben und sich besser zu konzentrieren. Ein Readerpen ist ein besonderer Stift. Markiert man damit ein Wort, wird es vorgelesen. Auch Hilfsmittel wie Computer können eine Unterstützung sein. Die Lehrkräfte unterstützen wir dabei, besser auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Mittlerweile kennen sich immer mehr Lehrer und Lehrerinnen mit Lernstörungen aus.
Verschwinden Lernstörungen wieder?
DM: Lernstörungen bleiben ein Leben lang eine Herausforderung. Aber es gibt gute Hilfsmittel. Es braucht Zeit und Übung. In ihrem späteren Leben können die Kinder fast jeden Beruf wählen.

Wie kann ich jemandem mit einer Lernstörung helfen?
DM: Das Allerwichtigste ist, die Kinder zu akzeptieren. Die Schule ist schwieriger für sie, und sie können nichts dafür. Man sollte sie nicht verurteilen, wenn sie mal länger brauchen. In Gruppenarbeiten kann es hilfreich sein, sich die Aufgaben so einzuteilen, dass jeder von seinen Stärken profitiert.

Wenn das Lernen dir über einen längeren Zeitpunkt schwerfallt, sag deinen Eltern oder einer Lehrperson Bescheid. Sie können dir helfen Unterstützung zu bekommen.