Luca aus Steinsel fragt: Wird in Brasilien Luxemburgisch gesprochen?
21. September 2026Brasilien liegt in Südamerika. Das ist denkbar weit weg von Luxemburg. Die offizielle Amtssprache Brasiliens ist Portugiesisch. Warum würde man dort Luxemburgisch sprechen? Luca ist dennoch einer spannenden Sache auf der Spur! Um herauszufinden, was die Sprache des kleinen Großherzogtums im fernen Brasilien zu suchen hat, braucht es allerdings einen kurzen Blick in die Geschichte.
Luxemburger auf Reisen
Schon im 17. Jahrhundert reisten die ersten Luxemburger nach Brasilien. Die meisten von ihnen waren Missionare. Sie wollten die Menschen in Südamerika überzeugen, Christen zu werden. Einer der bekanntesten Missionare war Jean-Philippe Bettendorf aus Lintgen. Er lebte viele Jahre im Amazonasgebiet und gründete dort die Stadt Santarém.

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Vor knapp 200 Jahren
1822 wurde Brasilien unabhängig. Der neue Kaiser Dom Pedro brauchte viele Menschen, die beim Aufbau des Landes helfen sollten. Deshalb suchte er in Europa nach Siedlerinnen und Siedlern. Das sind Menschen, die ihre Heimat verlassen, um sich anderswo ein neues Leben aufzubauen. Damals waren viele Luxemburger Familien arm. Einige hofften auf ein besseres Leben in Brasilien. Zwar mussten sie die Reise selbst bezahlen, doch ihnen wurden Land und Vieh versprochen. So viele Menschen wollten auswandern, dass man vom „Brasilienfieber“ sprach.

Einige Traditionen haben über hundert Jahre Jahrzehnte überdauert: In Brasilien backen einige an Karneval sogar „Fueskichelcher“ – nach dem Rezept ihrer luxemburgischen Vorfahren.
1828 zog es hunderte Familien aus Luxemburg nach Brasilien. Sie verkauften ihren Besitz, um die Reise zu finanzieren. Doch manchmal reichte das Geld nur bis zum deutschen Hafen. Manche konnten sich die Überfahrt von Bremen nach Brasilien am Ende doch nicht leisten. Sie kehrten ohne Geld in ihre Heimatorte zurück.
Auch viele der Ausgewanderten wurden enttäuscht. Das versprochene bessere Leben blieb oft aus. Nur wenigen Familien gelang ein erfolgreicher Neuanfang in Brasilien. Viele ließen sich in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná nieder. Andere kamen irgendwann nach Luxemburg zurück. Sie waren völlig verarmt. Einige von ihnen lebten später in Grevels. Deshalb erhielt der Ort den Namen Neubrasilien.
Gut zu wissen: Der Schulcampus in Grossbus-Wahl heißt heute „Nei-Brasilien“. In der brasilianischen Stadt Belo Horizonte gibt es außerdem einen Stadtteil mit dem Namen Luxemburgo.
Vor rund 100 Jahren
Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten erneut Luxemburger nach Brasilien aus. Diesmal waren es vor allem Ingenieure und Techniker. Sie halfen beim Bau des ersten modernen Stahlwerks Brasiliens in Monlevade. In Luxemburg war die Stahlindustrie damals sehr erfolgreich. Luxemburger Fachleute kannten sich deshalb besonders gut mit der Herstellung von Stahl aus. Dieses Wissen war auch in Brasilien gefragt, wo eine moderne Stahlindustrie aufgebaut werden sollte.

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Auf den Spuren der luxemburgischen Brasilianer und Brasilianerinnen
Lucas Frage ist damit noch nicht beantwortet. Der Piwitsch konnte leider nicht selbst über den Atlantik fliegen, um nach Brasilianerinnen und Brasilianer zu suchen, die Luxemburgisch sprechen. Zum Glück hat das ein Team von RTL übernommen. 2020 ging die Reise nach Brasilien. Das Ziel: Menschen zu finden, deren Vorfahren vor langer Zeit aus Luxemburg ausgewandert waren. Den Dokumentarfilm kannst du hier sehen.
Das RTL-Team fand heraus, dass in Brasilien tatsächlich Tausende Nachfahren dieser Auswanderer und Auswanderinnen leben. Viele von ihnen haben sogar einen luxemburgischen Pass oder feiern bis heute luxemburgische Traditionen. Luxemburgisch spricht dort allerdings fast niemand mehr. Trotzdem möchten immer mehr Menschen die Sprache lernen und besuchen Sprachkurse. Vor rund 100 Jahren war das noch ganz anders – damals konnte man in manchen Orten Brasiliens noch viel öfter Luxemburgisch hören.