Meeresbewohner ohne Orientierung: Warum stranden Wale?
22. April 2026Anfang März strandete ein Buckelwal an der deutschen Ostseeküste. Seit Wochen versuchen Menschen, dem Tier zurück ins offene Meer zu helfen. Bisher klappt das jedoch nicht. Wie kann das sein? Sind Wale nicht die besten Schwimmer der Meere?
Ein Wal namens Timmy
Timmy gehört zur Art der Buckelwale. Er ist etwa zwölf Meter lang. Den Namen „Timmy“ hat ihm der deutsche Komiker Hape Kerkeling gegeben. Das passt, weil der Wal zuerst am Timmendorfer Strand gesichtet wurde. Seit mehreren Wochen versuchen Menschen, dem Tier zu helfen, bisher ohne Erfolg. Immer wieder konnte sich der Wal kurz befreien, schwamm dann aber in die falsche Richtung und strandete erneut.
Der Körper eines Buckelwals
Buckelwale können bis zu 15 Meter lang werden. Das ist ungefähr so lang wie ein Bus. Sie können bis zu 30 Tonnen wiegen, so viel wie fünf Elefanten. Sie haben Brustflossen zum Schwimmen, die „Flipper“ genannt werden. Ihre Schwanzflosse heißt „Fluke“.
Die Nahrung der Buckelwale
Buckelwale sind Säugetiere. Ihre Jungen werden mit Muttermilch gefüttert. Danach ernähren sich die Wale von kleinen Meerestieren, zum Beispiel von Fischen. Buckelwale haben keine Zähne. Stattdessen haben sie im Maul eine Art Sieb, mit dem sie ihre Nahrung aus dem Wasser filtern. Bei der Jagd verwenden sie einen besonderen Trick: Luftblasen! Sie pusten einen Kreis aus Luftblasen ins Wasser. Wenn Fischschwärme in diesen Blasenkreis geraten, werden sie verwirrt und schwimmen nicht mehr weg. So können die Wale einfach das Maul aufsperren und sich die Fische schnappen.
Wie kommunizieren Wale?
Buckelwale sprechen miteinander, indem sie singen. Die Geräusche sind manchmal viele Kilometer weit im Meer hörbar. Männliche Wale nutzen den Gesang auch, um Weibchen anzulocken. Vielleicht hast du dich schon gefragt, warum Buckelwale aus dem Wasser springen. Auch das Springen dient der Kommunikation mit anderen Walen.

Tipp: Wie klingt der Walgesang? Hör selbst! 1970 veröffentlichte Roger Payne ein Musikalbum mit dem „Lied der Buckelwale“.
Wo leben Buckelwale?
Buckelwale leben in allen Ozeanen der Welt. Sie kommen also fast überall im Meer vor. Im Sommer bleiben sie meistens in kalten Polarmeeren. Dort finden sie viel Nahrung. Im Winter ziehen sie in warme, tropische und subtropische Meere. Das sind zum Beispiel die Regionen rund um Südamerika. Dort bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt. Das wärmere Wasser ist für die Jungtiere besser.
Wale profitieren vom Tierschutz
Buckelwale und andere Meerestiere profitieren vom Tierschutz. Menschen können ihnen helfen, indem sie gut auf das Meer achten. Dazu gehört, die Meere sauber zu halten. Du weißt bestimmt, dass große Mengen Müll ins Wasser gelangen und Schaden anrichten. Besonders Plastik ist gefährlich. Tiere schlucken den Müll oder verfangen sich darin. Auch Schiffe sind eine Gefahr für Wale. Der Lärm im Wasser und die Verschmutzung durch Schiffe stören die Tiere und zerstören ihren Lebensraum. Auch verletzen sich Wale häufig an den Schiffsschrauben.

Aber warum stranden Wale?
Timmy ist kein Einzelfall. Dass Wale stranden, kommt an Küsten auf der ganzen Welt vor. Forscherinnen und Forscher versuchen herauszufinden, warum sie das tun. Einiges ist schon bekannt.
Die Orientierung im Meer: Menschen orientieren sich vor allem mit Hilfe der Augen. Bei Walen ist das anders. Sie nutzen ihr Gehör. Ihr Gesang hilft ihnen dabei, sich zu orientieren. Im Meer ist es in den letzten Jahrzehnten aber immer lauter geworden. Die Motoren der Schiffe brummen. Die Schiffsschrauben machen einen Heidenkrach. Stell dir vor, in der Schule würde die Pausenklingel die ganze Zeit tönen. Du wärst gestresst! So ähnlich geht es vermutlich den Walen. Sie sind gestresst und finden sich nicht mehr so gut zurecht.
Lärm im Meer: Durch den Krach der Schiffe wird das Gehör der Wale manchmal verletzt. Dann können sie nicht mehr so gut tauchen. In den Tiefen der Meere finden sie aber mehr Futter. Die Folge: Sie fressen nicht mehr genug und werden schwach. Schwache Tiere stranden leichter.

Gefährliche Küsten: Manche Küsten sind besonders gefährlich für Wale. Im flachen Wasser können die Tiere sich nicht so gut orientieren. Auch Küsten mit starken Gezeiten können zum Problem werden. Wenn sich das Meer bei Ebbe rasch und weit zurückzieht, liegt der Wal auf einmal auf dem Trockenen.
Zu viel Fischfang: In den Meeren wird gefischt, damit die Menschen Fisch essen können. Doch manche Unternehmen übertreiben mit dem Fischfang. So nehmen die Menschen den Tieren die Nahrung weg. Um trotzdem Futter zu finden, schwimmen die Wale in Gewässer, die eigentlich zu flach für sie sind. Das kann dazu führen, dass sie stranden. Wale verletzten sich aber auch an den Schiffen oder bleiben in den riesigen Fischernetzen hängen.

Es stranden sowohl gesunde Wale, als auch kranke und tote Tiere.
Warum ist es für den Wal so gefährlich zu stranden?
Wenn ein Wal strandet, ist er oft schon geschwächt. Dann wird es doppelt schwer für ihn, sich wieder zu befreien. Im Wasser ist der Körper eines Wals viel leichter, weil das Wasser ihn trägt. An Land trägt das Wasser sein Gewicht nicht mehr. Ein Wal wiegt bis zu 30 Tonnen. Ohne Wasser wird er von seinem eigenen Gewicht erdrückt. Dadurch fällt es ihm immer schwerer zu atmen. Außerdem können gestrandete Wale schnell austrocknen oder überhitzen.
Allein an der Schifffahrt und der Fischerei liegt es nicht, dass Wale stranden. Das ist schon immer passiert. Tote und kranke Tiere wurden auch in früheren Zeiten an Land gespült.

Überleben gestrandete Wale?
Wenn ein Wal bis strandet, wird es sehr gefährlich für ihn. Warum?
- Durch das Gewicht können die Tiere schlechter atmen.
- Sie finden keine Nahrung.
- Ihr Körper kann überhitzen.
- An Küsten können Wale ertrinken. Wenn die Flut kommt, gelangt Wasser in ihre Blaslöcher.

Bei kleinen Walen kann der Mensch manchmal helfen. Wichtig ist, sie schnell vor der Sonne zu schützen, damit sie nicht austrocknen oder überhitzen. Man kann auch vorsichtig einen kleinen Weg ins Meer freimachen, damit der Wal vielleicht selbst zurückschwimmen kann. Bei großen Walen ist das viel schwieriger. Zum Glück stranden große Wale eher selten.
Die Wale am Schwanz einfach wieder ins Wasser zu ziehen geht übrigens nicht. Die Tiere könnten dabei verletzt werden. Die Schwanzflosse ist sehr empfindlich.
Tierschutzorganisationen kümmern sich um gestrandete Wale. Sie tun alles, damit die Tiere nicht zu sehr leiden. Mit der Rettung klappt es leider trotzdem nicht immer.
