Menschen helfen Menschen 

18. März 2026

Dein Körper leistet jeden Tag schwere Arbeit. Viele Abläufe im Körper finden ganz automatisch statt, ohne dass du es merkst. Zum Beispiel fließt dein Blut ständig durch den Körper und übernimmt dabei wichtige Aufgaben. Damit es das kann, braucht der Körper Stammzellen.

Stammzellen werden im Knochenmark produziert. Das befindet sich in deinen Knochen. Das Knochenmark bildet ständig neue Zellen. Die braucht der Körper, um gesund zu bleiben. Aus einer Stammzelle entstehen drei unterschiedliche Arten von Zellen:

  • Weiße Blutkörperchen schützen vor Krankheiten.
  • Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff und versorgen so alle Organe. 
  • Blutplättchen helfen nach einer Verletzung, die Blutung zu stoppen.

Manchmal werden Stammzellen krank oder arbeiten nicht mehr richtig. Dann kann der Körper nicht mehr genügend gesunde Blutzellen herstellen. Das kann zum Beispiel bei Blutkrankheiten passieren. Es gibt auch Arten von Krebs, die das Blut betreffen. Eine davon heißt Leukämie.

Das ist alles im Blut. 
Grafik: Shutterstock / solar 22  
Bei Leukämie vermehren sich die weißen Blutkörperchen stark. 
Grafik: Shutterstock / Ph-HY


Blutkrebs ist eine eher seltene Krebserkrankung. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder können daran erkranken. Von alleine werden die kranken Menschen nicht gesund; sie müssen behandelt werden. Manchmal reichen Medikamente aber nicht aus. Dann kann eine Stammzellentransplantation helfen. Dabei bekommt der Patient oder die Patientin neue, gesunde Stammzellen.

Wie werden passende Spenderinnen und Spender gefunden? 

Stammenzellen kann man anderen Menschen spenden. Es gibt Datenbanken, in denen alle Menschen zu finden sind, die bereit sind, das zu tun. Werden Stammzellen gebraucht, können Ärzte und Ärztinnen in diesen Datenbanken suchen.

Ärzte und Ärztinnen können in weltweiten Datenbanken nach Spenderinnen und Spendern suchen. 
Grafik: Shutterstock / ST.art

Eine gesunde Person kann einer kranken Person ihre Stammzellen spenden. Bevor jemand spenden kann, prüfen Ärztinnen und Ärzte sehr genau, ob die Zellen gut zueinander passen. Sonst funktioniert nämlich die Behandlung nicht. Die Wahrscheinlichkeit, passende Zellen zu finden, ist sehr gering. Lies mehr dazu im Interview mit Yannick Lieners weiter unten.

Wie kann man Stammzellen spenden?

Meistens werden die Stammzellen aus dem Blut gewonnen. Dafür wird der Spenderin oder dem Spender Blut abgenommen. In einer speziellen Maschine werden die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert.

Damit genug Stammzellen im Blut des Spenders sind, wird ein wenig mit Medikamenten nachgeholfen. Die spendende Person nimmt einige Tage Medikamente, die dem Körper Grippesymptome vortäuschen. Um sich zu wehren, produziert ihr Immunsystem ganz viele Stammzellen. Irgendwann sind es so viele, dass sie nicht mehr nur im Knochenmark bleiben, sondern auch ins Blut übergehen. Von dort können sie herausgefiltert werden. 

Danach sind die Stammzellen bereit für die Transplantation. 

Neue Stammzellen für den Körper

Die betroffene Person muss ebenfalls auf die Spende vorbereitet werden. 

Die Vorbereitung: Zuerst werden kranke Zellen im Knochenmark behandelt oder entfernt. Außerdem wird das Immunsystem mit Medikamenten blockiert. Das ist wichtig, damit der Körper die neuen Stammzellen nicht für Angreifer hält und bekämpft. Es ist aber auch gefährlich, da ein Körper ohne Immunsystem sehr schwach ist. Auch andere Krankheiten kann das Immunsystem dann nicht bekämpfen. Patienten und Patientinnen werden daher im Krankenhaus isoliert, damit sie sich nicht mit Bakterien oder Viren anstecken. 

Im Krankenhaus bekommt die erkrankte Person die neuen Stammzellen. 
Bild: Shutterstock / Sfam_photo

Die Transplantation: Der Patient oder die Patientin erhält die neuen Stammzellen. Sie werden über einen Schlauch in den Körper gegeben. Das kannst du dir wie bei einer Blutabnahme vorstellen, nur mit umgekehrter Richtung. 

Die Arbeit im Körper: Jetzt brauchen die neuen Stammzellen Zeit, um ihre Arbeit zu erledigen. Sie wandern ins Knochenmark. Dort beginnen sie nach einigen Wochen, neue, gesunde Blutzellen zu bilden. Wichtig ist, dass der Körper die neuen Stammzellen annimmt, damit diese arbeiten können. Manchmal kommt es vor, dass der Körper die neuen Stammzellen für Eindringlinge hält und sie abstößt. 

Steckbrief: Yannick Lieners

  • Alter: 38 Jahre 
  • Beruf: Lehrer 
  • Lieblingsessen: Kniddelen

Yannick Lieners ist an Leukämie erkrankt. Er wird seit über zehn Jahren mit Medikamenten behandelt. Eine Stammzellenspende brauchte er bisher nicht. 

Foto: Georges Noesen

2014 gründet Yannick Lieners das „Plooschter Projet“. Er möchte Aufmerksamkeit auf das Thema Leukämie lenken und anderen Betroffenen helfen. Der Name der gemeinnützigen Organisation ist kein Zufall. Die Idee ist, dass Menschen sich registrieren und danach auf den sozialen Netzwerken ein Foto mit dem Pflaster posten. Das soll weitere Menschen motivieren, sich auch zu registrieren. 

De Piwitsch: Warum ist es so wichtig, dass Menschen sich in einer Spenderdatenbank registrieren? 

Auch der Großherzog hat sich vor kurzem registrieren lassen. 
Foto: Maison du Grand-Duc

Yannick Lieners: Eine Stammzellentransplantation kann heute zwei von drei Personen helfen. Es wäre toll, wenn noch mehr Menschen Hilfe bekommen könnten. Je mehr Personen mitmachen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, passende Stammzellen zu finden. Die Chance, dass ein Spender oder eine Spenderin passt, liegt bei 1:1.000.000. Jeder hat einen genetischen Zwilling auf der Welt. Der kann aber nur über eine Datenbank gefunden werden. 

Warum können sich Kinder nicht registrieren lassen?

YL: Es gibt Regeln für Menschen, die Stammzellen spenden wollen. Zum Beispiel dürfen sie nicht zu jung oder zu alt sein. Das ist wichtig, um die Spenderinnen und Spender zu schützen. Außerdem muss man mindestens 50 Kilo wiegen, damit die Spende sicher ist. Ab 16 Jahren darf man sich im Spenderregister eintragen. Ab 18 Jahren kann man dann wirklich Stammzellen spenden.

Gibt es eine große Datenbank mit allen Spendern und Spenderinnen? 

in kleiner Piekser reicht, um sich zu registrieren. 
Foto: Shutterstock / Photoroyalty

YL: Jedes Land hat seine eigenen Datenbanken mit Menschen, die bereit sind, Stammzellen zu spenden. Ärzte und Ärztinnen auf der ganzen Welt haben Zugang zu allen Datenbanken. Das ist wichtig, um den passenden Spender oder die passende Spenderin zu finden. 

Wie viele Menschen in Luxemburg sind registriert?

YL: In Luxemburg sind rund 24.000 Personen registriert. Bei uns sind es 20.000. Immer wieder fallen Personen heraus, weil sie zu alt sind. Es ist also wichtig, junge Leute zu motivieren, sich zu registrieren. Denn Stammzellen von jungen Menschen können noch besser helfen. In Europa gehört Luxemburg zu den Ländern mit den prozentual meisten registrierten Personen. Das ist toll. Aber wir dürfen nicht aufhören.

Viele Freiwillige helfen die Menschen in der Datenbank zu registrieren. 
Foto: Plooschter Projet


Wie oft wird in Luxemburg tatsächlich gespendet? 

YL: Es werden zunächst fünf Personen aus den Datenbanken ausgewählt, die passen könnten. Diese fünf Personen werden getestet. Die Person, die am besten passt, kann dann tatsächlich spenden. 2025 kamen 204 Personen in die engere Auswahl. 23 von den 204 Personen spendeten am Ende tatsächlich. Seit unserer Gründung 2014 waren es 120 Spenden. 

Stammzellen spenden: Tut das weh?

YL: Das Risiko für die Spender und Spenderinnen ist gering. Damit der Körper viele Stammzellen bildet, bekommt die Person, die spendet, vorher Medikamente. Die können manchmal Grippe-Symptome verursachen. Der Körper produziert durch diese Medikamente viele Stammzellen, die dann ins Blut gelangen. Dort können sie herausgefiltert werden. 

Werden viele Leben durch Spenden gerettet?

YL: Ja, auf jeden Fall! Nicht jeder wird wieder gesund. Aber die Spenden helfen vielen kranken Menschen. Die Medizin wird auch immer besser. So werden die Stammzellentransplantationen immer erfolgreicher. 

Das „Plooschter Projet“ gibt es seit 2014. Erinnern Sie sich an einen besonderen Moment? 

Sehr viele haben sich an dem Tag registriert.
Foto: Plooschter Projet

YL: Ende Februar haben wir einen Aufruf gestartet, sich registrieren zu lassen. Die 15-jährige Caroline ist 2025 an Leukämie erkrankt und sucht einen passenden Spender oder eine Spenderin. Bei diesem Aufruf haben wir einen neuen Rekord geschafft. Fast 1400 Menschen haben sich registriert! Es macht mich sehr glücklich, dass so viele Menschen Solidarität zeigen.