Wenn Hufe Hilfe brauchen
21. September 2026
Valérie Weber arbeitet als Hufschmiedin. In ihrem Handwerk zählen Wissen, Ruhe, Kraft und ein gutes Gefühl für Pferde.
Schon als Kind wollte Valérie Hufschmiedin werden. Sie mochte Pferde und ging viel reiten. Die Tiere hatte sie von Anfang an genau im Blick. „Ein Huf wächst, verändert sich und ist immer in Bewegung“, erklärt Valérie, „das hat mich schon immer fasziniert.“
Viele Menschen denken bei Valéries Beruf sofort an Hufeisen. Doch gar nicht alle Pferde tragen die gerundeten Metallstücke an den Füßen. „Die meisten Pferde werden nur ausgeschnitten“, betont Valérie. So nennt man es, wenn der Nagel gekürzt und in Form gebracht wird. Hufeisen kommen zum Einsatz, wenn die Hufe sonst zu stark abnutzen würden. Manche Pferde tragen vorne Eisen, hinten aber nicht. Es gibt auch Hufschuhe. Sie werden nicht angenagelt, sondern über den ganzen Huf gezogen.

Ein Pferd trägt sie zum Beispiel bei einem Ausritt über steinige Wege. Danach werden sie wieder ausgezogen. Manche Tiere kommen selbst zurecht. Wilde Pferde brauchen keine Hufschmiedin. Ihre Hufe nutzen sich in der Natur von selbst ab. Sie laufen viel und bewegen sich über Erde, Gras, Sand und Steine. Der Boden feilt die Hufe kürzer.
Hauspferde leben aber anders. Menschen bestimmen, wo sie stehen, wie viel sie arbeiten und auf welchem Boden sie laufen. Deshalb brauchen Hauspferde Hilfe. Ein Hufeisen ist also manchmal nötig, aber nicht immer. Es kommt dann zum Einsatz, wenn ein Pferd Schutz, mehr Halt oder besondere Hilfe braucht.
Hufe wachsen wie Fingernägel

Ein Pferd läuft anders als du, nicht nur, weil es vier Beine hat statt zwei. Valérie erklärt es so: Das Pferd läuft sozusagen auf seinen Zehennägeln. Genau wie Zehennägel wächst der Huf, ungefähr einen Zentimeter im Monat. Wenn er beim Laufen nicht genug abnutzt, muss er abgeschnitten werden. Das geht beim Pferd aber nicht so leicht wie an deinen Füßen. Im Huf steckt ein Knochen. Deshalb sollte niemand einfach am Huf herumschneiden oder Hufeisen mit Nägeln beschlagen. Unerfahrene Menschen könnten das Pferd dabei schwer verletzen. Valérie ist Fachfrau. Nach ihrem Schulabschluss besuchte sie noch drei Jahre eine Spezialschule in Belgien. Sie weiß genau, wie man mit Pferden umgeht.
Immer nah am Pferd
Zuerst schaut Valérie, wie das Pferd steht und läuft. Dann hebt sie einen Huf an. Sie reinigt ihn und entfernt loses Horn und festgetretene Erde. Wenn das Pferd schon ein Eisen trägt, nimmt sie es mit einer Zange ab.
Danach kürzt sie den Huf. Wenn ein neues Eisen nötig ist, passt sie es genau an. Das Eisen wird dazu im Gasofen erhitzt und anschließend mit Hammer und Zange in Form gebracht. Am Ende muss das Eisen so sitzen, dass das Pferd bequem laufen kann. Wenn das heiße Eisen angelegt wird, riecht es im ganzen Stall nach verbranntem Haar – denn Hufhorn und Haare sind aus demselben Stoff, nämlich Keratin. Die Schmiedin muss aufpassen, dass sie sich nicht verbrennt, wenn sie mit dem heißen Eisen hantiert. Das Pferd verspürt beim Beschlagen der Hufe aber keine Schmerzen.

Hufschmiedin zu sein, ist anstrengend. Valérie arbeitet oft gebückt. Sie hält schwere Hufe fest. Große Pferde können besonders anstrengend sein. Deshalb übernimmt Valérie keine Arbeitspferde. Sie kennt ihre körperlichen Grenzen.
Manchmal merkt Valérie nach ihrer Arbeit, dass es einem Pferd besser geht. Es kann wieder freier laufen. Seine Besitzerinnen und Besitzer müssen sich weniger Sorgen machen. Dann sieht sie, dass ihre Arbeit nicht nur mit Werkzeugen zu tun hat. „Solche Momente gehören zu den schönsten Seiten meines Berufs“, erzählt Valérie. Sie würde diesen Beruf nicht gegen einen Bürojob tauschen.
Gut zu wissen: Warum tragen Kühe keine Hufeisen?

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Auch Kühe, Schafe, Ziegen, Rehe und Hirsche haben Hufe. Sie werden normalerweise nicht beschlagen, das heißt sie bekommen keine Hufeisen. Viele dieser Tiere haben gespaltene Hufe. Ein Fuß besteht dann aus zwei Hufteilen.
Auch diese Hufe nutzen ab. Wenn die Tiere viel laufen, reibt der Boden das Horn langsam kürzer. Bei Rehen und Hirschen passiert das in der Natur. Bei Kühen, Schafen und Ziegen funktioniert es manchmal nicht. Wenn sie viel im Stall stehen oder auf weichem Boden laufen, nutzen ihre Hufe nicht genug ab. Dann ist Hufpflege angesagt!
Hufeisen brauchen alle diese Tiere aber normalerweise nicht. Sie tragen keine Menschen auf dem Rücken. Sie ziehen meistens keine Kutsche. Ihre Hufe sind anders gebaut und werden anders belastet als Pferdehufe. Bei Kühen kümmern sich Klauenpflegerinnen und Klauenpfleger um die Hufe.
Gut zu wissen: Drei Gründe für Hufeisen
- Schutz: Hauspferde laufen oft auf Wegen, Straßen, Reitplätzen oder hartem Boden. Manchmal ziehen sie eine Kutsche oder tragen einen Menschen. Dabei kann sich der Huf stärker abnutzen als in der Natur.
- Halt: Auf glattem Boden kann ein Pferd rutschen. Manche Pferde bekommen deshalb besondere Eisen mit kleinen Stollen. Das hilft ihnen, sicherer zu laufen.
- Gesundheit: Manche Pferde haben eine Fehlstellung oder eine Krankheit am Huf. Ein passendes Eisen kann helfen.