Spielen gern mit Sprache: Nikki Ninja und ihre Truppe. Foto: Eric Engel

Wörter, die stark machen

21. September 2026

Nicole Bausch rappt als Nicool für Erwachsene. Als Nikki Ninja richtet sie sich an Kinder. Sie arbeitet mit dem Musiker Pol Belardi zusammen. Die beiden verbindet Rap, Fantasie und dass sie gern wichtige Fragen stellen. Im Interview erzählen Nicole und Pol, warum Nikki auf Luxemburgisch rappt und welche besondere Kraft jedes Kind besitzt.

De Piwitsch: Wer ist Nikki Ninja?

Nicole Bausch: Nikki ist eine Schülerin aus Räppeldeng. Zu Hause hört sie oft „Nein“, und in der Schule soll sie ruhig sein. Das macht sie wütend. Deshalb verwandelt sie sich in Nikki Ninja. Ihre Superkraft besteht darin, dass ihr alle zuhören. Außerdem kann sie besonders gut rappen und reimen.

De Piwitsch: Warum rappt Nikki auf Luxemburgisch?

NB: Luxemburgisch ist die Sprache, in der ich mich am direktesten ausdrücken kann. Ich habe zuerst englische Texte geschrieben und später in Brüssel auf Französisch gerappt. Dabei musste ich meine Gedanken übersetzen. Auf Luxemburgisch kommt das, was ich fühle, direkt von innen nach außen. Die Kinder verstehen genau, was ich sage.

Pol Belardi und Nicole Bausch rappen für Kinder.
Foto: Carole Theisen / Editpress

De Piwitsch: Ist das bei Nicool und Nikki Ninja gleich?

NB: Bei Konzerten von Nicool habe ich gemerkt, dass auch Kinder zuhören. Meine Texte für Erwachsene passen aber nicht immer zu Kindern. Deshalb bekam Nikki Ninja ein eigenes Projekt. Nikki darf frech sein, aber ihre Worte müssen zu Kindern passen.

De Piwitsch: Pol, warum klingt eure Musik nicht wie typische Kindermusik?

Pol Belardi: Kinder verdienen genau so hochwertige Musik wie Erwachsene. Wir machen keine Kompromisse, nur weil unser Publikum jünger ist. Wir benutzen echte Instrumente und spielen mit Jazz, Reggae, Pop, Polka oder Drum’n’Bass. Die Musik darf überraschend und kraftvoll sein. Sie soll Kindern und Eltern gefallen.

De Piwitsch: Wie wichtig ist die richtige Aussprache?

NB: Bei Nikki Ninja achten wir genau auf korrektes Luxemburgisch. Im Studio diskutieren wir manchmal darüber, wie ein Wort betont wird. Dann schauen wir in einem Wörterbuch nach. Beim Rap kann man Wörter für einen Reim verbiegen. Bei Nikki tue ich das nicht, damit Kinder keine falsche Aussprache übernehmen. Gleichzeitig darf die Sprache verspielt bleiben. Deshalb gibt es Wörter wie „ninjatastisch“.

De Piwitsch: Woher weißt du, welche Themen Kinder beschäftigen?

NB: Wir gehen in Schulklassen und sprechen direkt mit den Kindern. Wir fragen, was sie glücklich, traurig oder wütend macht. Wir wollen wissen, wie ihr perfekter Tag aussieht und was sie verändern möchten. In Spielen und Workshops erzählen sie ihre Geschichten. Einige ihrer Wörter finden später einen Platz in den Liedern. Wir schreiben nicht nur über Kinder, sondern gemeinsam mit ihnen.

De Piwitsch: Kannst du auf Luxemburgisch alle Gefühle ausdrücken?

NB: Eigentlich schon. Manchmal gibt es vielleicht nicht genau das eine Wort, das ich suche. Dann benutze ich ein sprachliches Bild. Es gibt fast immer mehrere Wege, einen Gedanken auszudrücken. Kinder verstehen solche Bilder oft sehr gut.

De Piwitsch: Pol, wie macht ihr aus ernsten Themen Musik?

PB: Wir wollen Kinder nicht belehren. Die Musik soll zuerst Spaß machen. Gleichzeitig darf sie von Streit, Scheitern, Geduld oder Ausgrenzung erzählen. Ein langsames Lied kann Ruhe geben. Ein schneller Rhythmus kann Mut machen. Wir überlegen genau, welche Stimmung zu einem Text passt. Kinder sind ja Menschen, die ernst genommen werden müssen.

De Piwitsch: Kann Nikki Ninja auch Kinder erreichen, die zu Hause kein Luxemburgisch sprechen?

NB: Ja, auf jeden Fall! Viele Kinder wachsen in mehrsprachigen Familien auf. Vielleicht sprechen ihre Eltern zu Hause eine andere Sprache, während die Kinder Luxemburgisch in der Schule lernen. Durch Musik können sie die Sprache noch einmal anders erleben. Sie hören Wörter, Reime und Sätze, die im Gedächtnis bleiben. Deshalb ist es mir wichtig, deutlich zu rappen und die Texte verständlich zu schreiben. So kann Nikki Ninja Kindern helfen, einen persönlichen Zugang zur luxemburgischen Sprache zu finden.

De Piwitsch: Was sollen Kinder aus eurer Musik mitnehmen?

NB: Selbstvertrauen ist ein wichtiges Ziel. Auf dem Album Vill Léift an Trallala geht es um Gefühle und Bedürfnisse. Kinder sollen ihre Gefühle ausdrücken, Grenzen setzen und Nein sagen dürfen. Sie sollen erleben, dass ihre Stimme wichtig ist. Ein Lied löst kein Problem. Es kann aber ein kleiner Baustein sein, der ein Kind stärker macht. Kinder sollen wissen: Meine Stimme ist wichtig, ich habe etwas zu sagen. Jeder Mensch besitzt eine besondere Ninja-Kraft. Diese Kraft kann Musik sein. Sie kann aber auch im Fußball, im Zeichnen, im Erfinden oder im Trösten liegen. Das hat nichts damit zu tun, ob du etwas besonders gut kannst. Jedes Kind ist wertvoll, auch wenn es beim Sport verliert oder irgendwo einen Fehler macht. Im „Glacelidd“ heißt es deshalb, dass alle verschieden sind, aber jeder Ninja wunderbar ist. Das Wichtigste bleibt der Spaß. Er ist die erste Priorität des Projekts.

Hier treten Nikki Ninja & d’Wibbeldidubs auf:

Nikki Ninja basiert auf dem Projekt „Nikki Ninja an Afrobeathoven“, das von Nicole Bausch und Dan Tanson gemeinsam entwickelt wurde.