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Zwischen Natur und Robotik: Landwirtschaft heute

2. Juli 2025

Im Sommer sieht man Landwirte und -wirtinnen draußen bei der Arbeit: Sie ernten, pressen das Heu und holen es ein, oder sehen auf den Kuhweiden nach dem Rechten. Doch das ist nur ein Bruchteil ihrer Arbeit!

Ein Herz und eine Seele: Charel Ferring mit seinen Tieren. Foto: Privat
  • Name: Charel Ferring
  • Alter: 23
  • Wohnort: Tandel
  • Ausbildung:
    4 Jahre LTA, Lycée technique agricole in
    Ettelbruck,
    momentan Studium der Agrarwirtschaft in
    Bingen am Rhein
  • Amt: seit 2023 Vorsitzender der Lëtzebuerger
    Landjugend a Jongbaueren
  • Art des Bauernhofs: Milchkuhhaltung

Landwirt: ein Job für Multitalente

Wer Bauer oder Bäuerin ist, braucht viele verschiedene Talente. Früher hielten viele Menschen eigenes Nutzvieh wie Kühe, Pferde, Schweine oder Hühner. So konnten sie sich teilweise selbst versorgen. Landwirtschaft war weit verbreitet. Heute gibt es weniger Bauernhöfe, aber sie sind viel größer. Die Arbeit ist aber auch komplizierter geworden. Organisationstalente sind gefragt!

Der Kalender als Kompass

In kaum einem anderen Beruf hängt die Arbeit so sehr von Jahreszeiten und Wetter ab wie in der Landwirtschaft. Bei Bauernhöfen mit Tierhaltung, also mit Kühen und Ochsen, Schweinen, Hühnern, Schafen oder Pferden, ist die erste Aufgabe, jeden Tag nach den Tieren zu schauen. Sie brauchen Futter, ihre Ställe müssen ausgemistet werden. Bleiben die Tiere im Sommer auf der Weide, prüft der Bauer oder die Bäuerin täglich, ob es den Tieren gutgeht und ob alle da sind, bringt frisches Wasser und kontrolliert die Zäune.

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Auch der Anbau des Futters gehört zur Tierhaltung. Im Frühjahr werden die Felder für die Aussaat vorbereitet. Danach behält der Bauer die Äcker im Blick, damit er weiß, ob die Pflanzen gut wachsen oder ob er vielleicht ein Pflanzenschutzmittel ausbringen muss. Richtig anstrengend wird es im Juni und im August. Dann steht die Ernte des Weizens und der Gerste an. Wann genau geerntet werden kann, wissen die Landwirte und -wirtinnen höchstens eine Woche im Voraus. Wenn es soweit ist, haben sie oft nicht viel Zeit. Droht Regen, müssen sie manchmal bis spät am Abend auf dem Feld arbeiten. Ansonsten ist die
Ernte im schlimmsten Fall kaputt.

Über die kälteren Monate gibt es auf dem Bauernhof immer noch genug zu tun: im Büro, vielleicht im Wald, um Bäume zu fällen oder die Wälder zu pflegen. Natürlich müssen auch dann die Tiere im Stall versorgt werden. In den Wintermonaten werden außerdem Reparaturarbeiten vorgenommen, für die im Sommer keine Zeit war.

Landwirte und -wirtinnen können nur im Winter in den Urlaub fahren. In den anderen Jahreszeiten ist einfach zu viel los!

Wer in der Landwirtschaft arbeitet, ist nicht nur draußen in der Natur und bei seinen Tieren. Neben diesen Aufgaben steht Schreibarbeit an. Bauernbetriebe müssen viele Regeln einhalten. Jeder Arbeitsschritt auf dem Hof wird notiert: Welche Pflanzen wurden wo angebaut, wann wurden die Samen in den Boden gelegt? Es muss auch aufgeschrieben werden, wann und wo Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.

Das neugeborene Kalb wird ins „Herdbuch“ eingetragen. Foto: privat

Auch die Tiere werden dokumentiert: Jede Geburt, jede medizinische Behandlung wird ins Herdbuch geschrieben. Sähen, ernten, melken – früher ging das nur von Hand! Ein großer Teil der Arbeit wird heute mit Hilfe von Maschinen geleistet.

Moderne Traktoren mit Satellitenverbindung können Felder genauer bewirten. Das spart Zeit. Pflanzenschutzmitteln oder Dünger werden durch moderne Technologie genauer eingesetzt, damit man weniger davon braucht. Das kostet weniger und die Umwelt wird nicht unnötig belastet.

Früher wurden Gras und Getreide mit der Sense geschnitten. Foto: Shutterstock / heckel61

Den vollautomatischen Bauernhof gibt es natürlich nicht. Auch wenn Kühe heute von einer Maschine gemolken und automatisch gefüttert werden, müssen diese Vorgänge immer von Menschen kontrolliert werden.

Wie wird man Landwirt?

Die meisten Bauernhöfe werden von Eltern an Kinder vererbt. Auch Charel Ferring ist auf dem Bauernhof seiner Eltern aufgewachsen. Zusammen mit seinem Vater führt er heute den Hof in Tandel. Charel hat seinen Beruf nicht nur zu Hause gelernt: Er hat die Ackerbauschule in Gilsdorf besucht und Erfahrungen bei ausländischen Betrieben gesammelt. Zur Zeit absolviert er ein Studium der Agrarwirtschaft an einer deutschen Hochschule. Charel übernimmt nicht nur im elterlichen Betrieb Verantwortung: Er ist Vorsitzender der LLJ, Lëtzebuerger Landjugend an Jongbaueren. Dort setzt er sich für bessere Arbeitsbedingungen in seinem Beruf ein.

Maschinen und moderne Hilfsmittel ersetzen nicht den Landwirt. Foto: Privat.

„Für mich ist dies der allerschönste Beruf der Welt“, sagt Charel. „Ich kann mir fast nicht vorstellen, in einem anderen Bereich zu arbeiten. Ich arbeite sehr gerne in der Natur und habe eine abwechslungsreiche Beschäftigung. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nie was der Tag bringen wird.“ Außerdem sagt der junge Landwirt: „Ich habe oft ein Erfolgserlebnis in meinem Alltag: wenn ein krankes Tier nach längerer Pflege wieder gesund wird. Oder wenn eine Kultur auf dem Feld besonders gut gedeiht. Wenn ich also sehe, dass meine Arbeit zu guten Resultaten führt – das macht zufrieden.”